Das Freiburg-Gefühl

An warmen Tagen erscheint Freiburg wie der Wirklichkeit gewordene Traum von einem heiteren, unbeschwerten Leben. Mediterranes Lebensgefühl, entspannte Menschen in unzähligen Straßencafes, eine angenehme Landschaft mit der fruchtbaren Rheinebene vorn und der Kulisse der grünen Kuppen des Hochschwarzwaldes dahinter. Man fühlt sich immer ein bisschen im Urlaub, auch wenn man dort lebt und arbeitet resp. studiert. Man weiß hier das Leben zu genießen mit Wein und gutem Essen, man liebt die Geselligkeit und betrachtet Arbeit eher als notwendiges Übel. Am Wochenende wird nachts die ganze Innenstadt zur Partymeile, auf dem Augustinerplatz sitzen Hunderte junger Leute dicht gedrängt in Gruppen zusammen, quatschen und trinken mitgebrachte Alkoholika. Manche ein bisschen zuviel. Es gibt wunderschöne Restaurants und Wirtschaften oberhalb der Stadt mit einem herrlichem Blick auf Kaiserstuhl und Vogesen. Nur das geistige Klima ist etwas beengt, trotz Universität. Geistige Impulse gehen von dieser Stadt nicht aus, es steckt etwas seltsam Spießiges, Borniertes in vielen Bewohnern. Bleibt man zu lange hier, stirbt man deshalb den geistigen Erstickungstod. Vielleicht sind es Relikte des Katholizismus, vielleicht liegt es aber auch an einem Übermaß von Selbstgefälligkeit, weil man meint, man lebt am schönsten Platz Deutschlands, wenn nicht gar der Welt. Das verstellt manchmal den kritischen Blick. Innovation herrscht am ehesten im Bereich der Ökologie. Nicht nur politisch ist Freiburg grün dominiert, das Fahrrad sowie Straßenbahnen und Busse prägen den Verkehr und es existieren neue ökologische Vorzeigeviertel mit energieoptimierten und Solarzellen bestückten Häusern. Doch merkwürdigerweise nutzt man das reichlich vorhandene Wasser als Energiequelle überhaupt nicht. Doch das vorgesagte ändert nichts an der Tatsache, dass Freiburg und Umgebung schlicht wunderschön sind. (Rainer Roth

 

 

 

 


   eingestellt am 5. Juni 2008