Touristenvolk, elendes!   

von Hansi 

Früher blieben sie in Berlin, die Touristen, jetzt fallen sie in Heerscharen auch ins schöne Potsdam ein. Irgendjemand muss ihnen verraten haben, wie reizvoll diese Stadt ist. Der Schuldige gehört umgehend geköpft und gevierteilt!

Wenn sie sich wenigstens auf  Schlösser und Parks beschränken würden, ginge das Ganze ja noch. Doch sie suchen zunehmend auch die unschuldige Innenstadt heim. Keine Gaststätte, kein Cafe ist vor ihnen sicher und selbst bei Kaisers verstopfen sie die Kassen und sorgen für noch längere Wartezeiten. Jetzt im Sommer und damit zur Hauptferienzeit ist es gänzlich unerträglich, selbst an normalen Wochentagen schleppen sich Horden in – und ausländischer Touristenmenschen durch Potsdams beschauliche Gassen. Man erkennt den gewöhnlichen Touri leider sofort: meist tritt er in Gruppen auf, als Familie oder schlimmer als Reisegruppe oder schlimmstenfalls als lärmende Schulklasse französischer oder italienischer Jugendlicher.

Sein Tempo ist langsam, er bewegt sich schlendernd, ziellos, sein Blick schweift orientierungslos hierhin und dorthin, vor jedem zweiten Schaufenster bleibt er stehen und betrachtet entzückt Dinge, die er in jeder x – beliebigen anderen Stadt genauso findet. Dabei blockiert er ungeniert die schmalen Bürgersteige.

Heftig sehne ich Herbst und Winter herbei, Schmuddelwetter, dann ist Potsdams Innenstadt wenigstens wochentags wieder touristenfrei. Nur die Wochenenden sind auch dann noch problematisch. Überwiegend Berliner treibt es vor allem Sonntags hierher und insbesondere im holländischen Viertel suchen sie die Erfüllung ihrer Kleinstadtsehnsüchte. Dort wird mittlerweile genau das geboten, was man als Tourist erwarten darf: in den Läden bunter Krimskram zu hohen Preisen, in den Restaurants und Cafes mäßige Qualität, ebenfalls zu hohen Preisen. Eine bemerkenswerte Ausnahme, das muss auch mal gesagt werden, stellt hier das Lapislazuli dar. Doch vorerst muss es darum gehen, die jetzige Stresszeit einigermaßen unbeschadet zu überstehen. Einzig die Abende versprechen Linderung. Wenn die Massen sich mittels Reisebus oder S-Bahn wieder davon gemacht haben, aufgesogen werden von der großen Schwester, dann sinkt Potsdam in seine beschauliche Kleinstadtträgheit zurück und man kann seinen Wein im Lewy oder seinen Cappuccino bei Isi endlich ungestört genießen.     

 

 


   eingestellt am 16. August 2007