Don Pedro lässt es wieder krachen

 

Stadtwerkefest geht am 12. Juli in die 8. Runde   

 

von Rainer Roth

 

Dieses Jahr also als Hauptakt die Band ZZ-Top, vorweg Silly und Killerpilze. In den vergangenen Jahren bereits andere namhafte Gruppen wie Jethro Tull, Manfred Mann, Gianna Nanini oder auch die Prinzen. Gute Rockmusik, Festivalatmosphäre im Lustgarten, ein begeistertes Publikum, knapp 80.000 im letzten Jahr und das Ganze bei freiem Eintritt. Da gibt es ja wohl nichts zu meckern, oder ?

Ein paar Ungereimtheiten stören leider das harmonische Bild. Zunächst die alljährliche Geheimniskrämerei um die anfallenden Kosten. Denn natürlich ist der Spaß nicht kostenlos. Doch auch dieses Jahr möchte sich Stadtwerkechef Paffhausen dazu nicht näher äußern. Nur soviel: Allein der Auftritt von ZZ-Top schlägt mit knapp 200.000 Euro zu Buche, allerdings war Peter Maffay vor zwei Jahren noch deutlich teurer und zwischen einem Drittel und der Hälfte der Gesamtkosten werden von Sponsoren getragen (PNN vom 6.3.08). Diese Aussagen sind zwar nicht wirklich erhellend, machen aber immerhin deutlich, dass ein wesentlicher Teil der Kosten an den Stadtwerken, sprich den Kunden der Stadtwerke, hängen bleibt. Denn mit ihren Gas-, Strom- und Wasserrechnungen zahlen sie kräftig für das Spektakel. Dann sollte man ihnen auch ehrlich sagen, wie hoch die Rechnung wirklich ist, nach der Devise: Leute, ihr bekommt hier ein tolles Fest geboten, aber wie die meisten schönen Dinge hat auch das seinen Preis und der liegt bei .... Natürlich müsste man sich dann einer offenen Diskussion über das Fest stellen. Darüber beispielsweise, ob die Bands tatsächlich so illuster sein müssen oder ob man als städtisches Unternehmen nicht eher lokalen Bands und Gruppen eine Bühne verschaffen sollte. Natürlich würde es auch um die Höhe der Kosten gehen. Und es würde vermutlich auch um die grundsätzliche Frage gehen, was für eine Art von Fest die Mehrheit der Stadtwerkekunden denn überhaupt möchte. Das wäre ein spannender Meinungsaustausch und ich hoffe ja immer noch, dass die PNN dazu, wie in ihrer Ausgabe vom 7.3. (S. 10) angekündigt, die eingehenden Bürgermeinungen veröffentlicht. Die Stadtwerke selbst scheinen eine solche Diskussion allerdings zu scheuen wie der Teufel das Weihwasser.

Die Veranstaltung läuft bei den Stadtwerken unter dem Mantel Marketing und wird aus diesem Etat bezahlt. Zum Marketing gehört sicher auch allgemeine Imagewerbung, doch mit dem Fest in seiner jetzigen Form ist es in erster Linie Imagewerbung für die Stadt Potsdam. Denn was die Stadtwerke letztlich veranstalten, ist ein Stadtfest, ein Bürgerfest. Das ist wahrhaftig nichts schlechtes, nur es geht dann darum, wer bei diesem Fest den Hut aufhat. Ein Stadtfest sollte auch bitte schön von der Stadt selbst veranstaltet werden, wie das viele andere Städte in Deutschland tun. Selbstverständlich kann eine Stadtverwaltung eine solche Aufgabe nicht allein stemmen, hier kämen dann wieder die Stadtwerke als städtisches Unternehmen ins Spiel, die ein solches Fest auch weiterhin organisieren und von mir aus auch, als eines von mehreren, sponsern könnten. Nur liefe eben das ganze Ereignis unter der Regie der Stadt und damit bestünde vor allem die Möglichkeit, dass sich die Bürgerschaft stärker einbringen könnte. Denn das ist ein weiterer Punkt, der sauer aufstößt. Das Stadtwerkefest mutet in weiten Teilen wie eine One-Man-Show an, ein mächtiger Chef, der jedes Jahr die Puppen richtig tanzen lässt und nach und nach seine Lieblingsbands nach Potsdam holt. Dass eine Band wie ZZ-Top massenhaft Fans anziehen wird, steht außer Zweifel, nur werden es nicht unbedingt die Massen der Stadtwerkekunden sein. Denn außer Zweifel steht auch, dass Gruppen wie ZZ-Top und Jethro Tull, letztere übrigens lange Jahre meine Lieblingsband, nicht jedermanns Geschmack treffen. Die Frage steht im Raum, doch anscheinend nicht für die Stadtwerke, welche Musik denn eigentlich der gemeine Stadtwerkekunde bzw. die Mehrheit am liebsten hören würde. Wollte er statt ZZ-Top vielleicht gern die Wildecker Herzbuben oder die Kastelruter Spatzen als Topact erleben? Eine grauenerregende Vorstellung, ich weiß, aber wenn es tatsächlich so wäre, müsste man es zumindest berücksichtigen. 

Ach ja, da gab es doch im letzten Jahr auch diesen ominösen VIP–Bereich, wo sich das Musikerlebnis mittels kostenfreier Gaumenfreuden noch deutlich steigern ließ. Freilich nur für einige Hundert Auserwählte, nicht für Otto-Normalkunden. Dieses Jahr also nicht mehr. Das ist ein harter Schlag, vermutlich aber für die Betroffenen noch verkraftbar. 

  

P.S. Wir haben natürlich auch bei den Stadtwerken nachgefragt, um ein paar Informationen aus erster Hand zu bekommen. Nachstehend unsere Fragen und die Antwort der Stadtwerke:

Fragen der BürgerZeitung:

Wie hoch liegen die Gesamtkosten für das Fest und welcher Anteil wird aus dem Etat der Stadtwerke finanziert ?

Welche Firmen oder Privatleute sind Sponsoren des Festes ?

Wird es dieses Jahr wieder einen VIP - Bereich geben? Wenn ja, wieviele Personen werden eingeladen und wer trägt die Kosten für Beköstigung, etc. ?

Antwort der Stadtwerke:

Das STADTWERKE-FESTival ist ein fester Bestandteil unseres Marketings - neben der Kundenzeitschrift, der Sendung "Stadtwerke aktuell" und dem Internetauftritt. Der Aufwand der Stadtwerke für das Fest kommt somit aus dem Jahresbudget für Marketingaktivitäten, das unter einem Prozent des Umsatzes liegt. Unterstützt werden wir auch in diesem Jahr wieder durch Sponsoren, die Verhandlungen laufen aber noch. Die Abschaffung des VIP-Bereiches hatte Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Paffhausen bereits nach dem Fest im vergangenen Jahr öffentlich angekündigt.

 

 


   eingestellt am 17. März 2008