Letzte Zuckungen der Panzerhalle 

von Mathias Mühle 

An 22. September 2007 findet die letzte öffentliche Veranstaltung des Atelierhauses Panzerhalle am alten Ort unter dem Titel „Panzertafel/Last Diner“ statt.

Die Einladungskarte mit dem Programm finden Sie hier.

Anlass der Veranstaltung ist der Auszug der restlichen Künstlerinnen und Künstler aus dem Atelierhaus zum Ende September und der dann beginnende Abriss des Gebäudes.

Im letzten dreiviertel Jahr ist ja häufiger in unterschiedlichen regionalen Medien über die Kündigung der Ateliers in der Panzerhalle durch die GEWOBAG berichtet worden. Die Panzerhalle liegt im hinteren Teil des ehemaligen Kasernenareals „Waldsiedlung“ an der Seeburger Chaussee im Ortsteil Groß Glienicke in Potsdam und wird seit 1992 von Berliner und Brandenburger Künstlerinnen und Künstlern als Ateliers und als Ausstellungsmöglichkeit genutzt. Im Rahmen der jährlich stattfindenden ein bis zwei Gemeinschaftsausstellungen wurden auch überregional tätige deutsche und internationale Künstlerinnen und Künstler der interessierten Öffentlichkeit in der Region präsentiert. Über die Jahre hatte sich der Ort zu einem festen Bestandteil der Berliner und Brandenburger Kunstszene entwickelt, der gelegentlich auch international Aufmerksamkeit erregen konnte.

Obwohl das Atelierhaus Panzerhalle finanziell eher bescheiden ausgestattet agieren musste, war es gleichzeitig nie so sexy, dass es die Aufmerksamkeit der Berliner Partykunstszene und der bekannten Politkommerzkunstpromis erringen konnte.  Deshalb war es auch unschädlich, dass es dem Eigentümer des ehemaligen Kasernengeländes, der angeblich gemeinnützigen und im Berliner städtischen Besitz befindlichen GEWOBAG spätestens seit dem Jahr 2000 ein Dorn im Auge war, dass es in dem Gebäude noch nichtkommerzielles Leben gab.  Die eigentliche Intension der GEWOBAG war und ist es ja nicht, urbanes Leben zu schaffen, sondern das Land Brandenburg mit einer weiteren gesichtslosen Reihenhaussiedlung für Bundesbedienstete auf der grünen Wiese zu beglücken.  Dazu wollte sie das ansonsten ziemlich brach liegende Gelände möglichst schnell mit mindestens 638 Reihen- und Doppelhäusern bebauen.  Dazu fehlte allerdings bislang das nötige Kleingeld, nachdem man sich mit dem Kaufpreis für das Geländes in den 90er Jahren etwas verspekuliert hatte.  Vermutlich weil auch einige Mitglieder des Aufsichtsrates der GEWOBAG, die als Bankenvorstände im Rahmen des so genannten Berliner Bankenskandals rechtskräftig verurteilt wurden, kein billiges Geld der Steuerzahler mehr zuschießen konnten, wurde es einige Jahre ziemlich ruhig um die Bauambitionen der GEWOBAG.

Nachdem im letzten Herbst die GEWOBAG von verschiedenen Politikern, die sich wenn es gerade mal passte auch gerne verbal mit der Panzerhalle schmückten, auf einen Erhalt der Institution angesprochen wurde, bekam der Vorstand schnell kalte Füße und kündigte die Ateliers, bevor gar nichts mehr möglich wäre. Soviel Angst hätte man bei der GEWOBAG allerdings nicht haben müssen. Mit Ausnahme von Frau Johanna Wanka (Kulturministerin von Brandenburg) und Frau Doris Langenhoff (Ortsteil-Bürgermeisterin von Groß Glienicke) haben so ziemlich alle Politikerinnen und Politiker, denen die Kunst in Ihren Sonntagsreden ja so besonders wichtig ist, schnell von der GEWOBAG aufklären lassen, dass eine Brachfläche auf dem Areal wichtiger und zweckmäßiger ist, als Ateliers und unkonventionelle Ausstellungen. Von daher musste mangels einer breiten Unterstützung der Widerstand gegen die Räumung und den Abriss des Gebäudes nach mehr als einem halben Jahr Ende Juni aufgegeben werden. 

Mit der Veranstaltung am 22. September soll noch mal gefeiert werden. Alles Interessierten sind herzlich eingeladen. Wie es mit den Künstlerinnen und Künstlern der Panzerhalle danach weiter geht, ist teilweise ungewiss. In jedem Fall wird der gewachsene Zusammenhalt so nicht aufrecht erhalten werden können.

 

 


   eingestellt am 29. August 2007