Jagdkommando auf Drahteseln

Potsdamer Radstaffel der Polizei wurde aufgestockt 

von Hansi

In Potsdam muss es eine besonders gefährliche Spezies Rad fahrender Gesetzesbrecher geben. Anders lässt sich nicht erklären, dass die Polizei ihre seit September 2004 im Einsatz befindliche Radstaffel kürzlich von vier auf sechs Bedienstete aufgestockt hat. Sportliche Beamtinnen und Beamte, in feschen blauen Dress gekleidet, sind auf schnittigen Mountainbikes im Stadtgebiet unterwegs, um insbesondere die Verkehrsverstöße von Radfahrerinnen und Radfahrern zu ahnden.

Zweifellos werden im Radverkehr eine Fülle von Verstößen gegen Verkehrsregelungen begangen: Radwege werden entgegen der vorgeschriebenen Richtung befahren oder man benutzt sowieso den Bürgersteig, viele fahren bei Dunkelheit ohne Licht und das Rotlicht von Ampeln wird regelmäßig ignoriert. Doch der massenhafte Regelverstoß ist keine Besonderheit des Radverkehrs, er ist im Straßenverkehr insgesamt zu beobachten und man kann ihn sogar als gesamtgesellschaftliches Phänomen konstatieren. Man mag diese Entwicklung bedauern, muss dann aber auch insbesondere für den Straßenverkehr feststellen, dass viele Verkehrsregeln als allgemeine Regelungen durchaus sinnvoll sind, im Einzelfall ihren Sinngehalt aber verlieren. Verstöße sind dann zwar formale Regelverletzungen, aber es entsteht durch den Verstoß keine gefährliche Situation, niemand wird behindert oder gefährdet. Dies gilt beispielsweise für die rote Ampel, wenn die Straße frei ist. Ebenfalls unproblematisch ist im Regelfall das Befahren eines Radweges entgegen der vorgeschriebenen Richtung, deshalb sind viele Radwege auch zur Nutzung in beiden Richtungen freigegeben. Wenn man sich nun das Agieren der polizeilichen Radlertruppe in der Praxis anschaut und die Äußerungen der Verantwortlichen dazu nimmt (PNN vom 14.11.), drängt sich der Eindruck auf, vielfach werden nur rein formale Verkehrsverstöße verfolgt. Gern postiert man sich auf der Langen Brücke, um unbarmherzig die entgegen der Fahrtrichtung Radelnden mit Bußgeldern zu belegen oder man lauert an Fußgängerampeln auf Passierende, die bei Rot die freie Straße überqueren (Leserbrief PNN vom 16.11.). Mit solchen Maßnahmen soll anscheinend das formal regelgerechte Verhalten eingeübt werden, erste Erfolge soll es dabei nach Aussage von Frank Böttger, dem Leiter der Staffel, auch schon geben. Doch diese Art der Zwangspädagogik nach Polizistenart braucht kein Mensch. Wichtig wäre vielmehr, gegen tatsächlich gefährdendes Verhalten im Straßenverkehr und die vielfältig vorhandene andere Kriminalität deutlich entschiedener vorzugehen. Als ein Beispiel mag das Problem des zunehmenden Vandalismus auch in Potsdam herausgegriffen werden (siehe z.B. PNN vom 26.08.2006). Hier fehlt es u. a. an genügend Polizeikräften, um Beschädigungen in Parks, auf Spielplätzen, etc. wirksam zu verhindern. Notwendig wäre der Einsatz von mehr Polizeibeamten als Streifendienst auch, um andere Gewaltdelikte einzudämmen. Zu all dem leistet die Radstaffel aber keinen Beitrag, deshalb ist sie als Spezialtruppe überflüssig.  

 

 


   eingestellt am 16. November 2007