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Klimaschutzwortweltmeister
Deutsche Politiker schützen das
Klima am liebsten verbal
von Rainer Roth
Wenn es um
den Schutz des Erdklimas geht, ist Deutschland eindeutig der Weltmeister der
Worte. Starke Sätze von deutschen Politikern bei jeder sich bietenden
Gelegenheit, zuletzt bei der jüngsten Klimakonferenz auf Bali. Gern wird als
Buhmann auf die USA verwiesen, die sich hartnäckig weigern, konkrete Zahlen in
die Protokolle aufnehmen zu lassen. Geht es um konkrete Maßnahmen, folgen den
starken Worten allerdings nicht ganz so starke Taten, manchmal sogar das
Gegenteil.
Die EU –
Kommission will den Kohlendioxidausstoß neuer Kraftfahrzeuge ab 2012 deutlich
senken, der Flottenverbrauch soll von zur Zeit rund 160 auf durchschnittlich 130
Gramm pro Kilometer sinken. Obwohl auch die Kommission in ihrem Vorschlag
bereits differenziert, würden deutsche Autohersteller durch die Vorgaben stärker
belastet, weil hierzulande mehr Mittel – und Oberklassefahrzeuge hergestellt
werden, deren CO² - Ausstoß höher ist als der von Kleinwagen. Ein Aufschrei geht
also durch die Reihen der deutschen Fahrzeugbauer, die sich im Vergleich zu den
Wettbewerbern einseitig benachteiligt sehen. Lobbyisten müssen so sprechen, das
ist ihre Aufgabe, aber auch die meisten deutschen Politiker blasen ins selbe
Horn. Umweltminister Gabriel sieht einen „Wettbewerbskrieg“ gegen die deutsche
Autoindustrie (zit. nach PNN vom 20.12.07) und auch Bundeskanzlerin Merkel
findet wieder starke Worte, diesmal gegen den Klimaschutz.
Ähnliches
gilt für die Klimaschutzbemühungen des Landes Brandenburg. Die ambitionierten
Ziele zur Senkung des CO² - Ausstoßes wurden kurzerhand um 10 Jahre nach hinten
geschoben. Wollte man ursprünglich eine Absenkung auf 53 Millionen Tonnen
jährlich bis 2010 erreichen, sollen es jetzt erst im Jahr 2020 54,6 Millionen
Tonnen werden (PNN vom 19.12.07). Als Grund für den Aufschub wird das unerwartet
hohe Wirtschaftwachstum genannt. Ein weiterer Grund liegt aber darin, dass von
den derzeit rund 60 Millionen Tonnen jährlich der überwiegende Teil(ca. 40
Millionen) aus den Braunkohlekraftwerken kommt. Davon möchte in der
Landesregierung aber niemand lassen, die in der Verbrennung wie im Abbau
umweltzerstörende Braunkohle soll wesentlicher Eckpunkt der Brandenburger
Energieversorgung bleiben. Und Ministerpräsident Platzeck findet zur
Rechtfertigung der Braunkohlekraftwerke den besonders für einen ehemaligen
Umweltminister bemerkenswerten Satz: „Wenn man sie abschaltet, würde sich für
das Weltklima nichts ändern.“ (PNN vom 22.12.07).
Die
genannten Beispiele zeigen zum einen, dass auch in Deutschland in Sachen
Klimaschutz schöne Worte und tatsächliches Handeln deutlich auseinander
klaffen. Sie zeigen aber auch, wie stark nationale (und regionale) Interessen
selbst bei einer so entscheidenden Frage dominieren. Seien es die USA, die
Entwicklungsländer, Deutschland oder Brandenburg, alle haben nachvollziehbare
Gründe für ihre Position. Gerade wenn die Belange der eigenen Wirtschaft, dem
entscheidenden Macht – und Wohlstandsfaktor jeden Landes, berührt werden, wenn
dort Einschnitte drohen, dann ist es mit dem Engagement für die große Sache
schnell vorbei. Statt entschlossenem gemeinsamen Handeln also kleingeistiges
Gefeilsche um die Fortdauer eigener Vorteile. So dürfte mit Sicherheit keine
Lösung gelingen.
Hinzu kommt
ein allgemeines Problem: die weltweite Klimaerwärmung ist immer noch ziemlich
abstrakt. Wissenschaftler sagen uns zwar gravierende Veränderungen voraus, aber
aktuell spüren wir davon nicht allzu viel. Und auch wenn wir – mittlerweile
wissenschaftlich ziemlich unbestritten – wissen, dass die Klimaveränderung
mindestens zum Teil auf menschliche Aktivität, die massenhafte Verbrennung
fossiler Brennstoffe, zurückzuführen ist, möchten wir unseren energieintensiven
Lebensstil (noch) nicht ändern. Offensichtlich vermögen Menschen sowohl als
Gesellschaft wie als Einzelne erst dann entscheidend zu handeln, ihren
Lebensstil zu verändern und auch zu verzichten, wenn Probleme akut sind, man sie
sieht oder spürt. Klimawandel dürfte aber zu den Entwicklungen gehören, die
langsam, kaum merklich, vonstatten gehen. Das bedeutet, wenn man ihn bemerkt,
ist er schon geschehen. Man könnte auf den wenig erfreulichen Gedanken kommen,
dass die Menschheit von ihrem geistigen Potential her gar nicht in der Lage ist,
auf langfristige Entwicklungen wie die Klimaerwärmung angemessen zu reagieren.
Solange ein Problem theoretisch bleibt, reicht der Druck für entschiedenes
offensichtlich Handeln nicht aus. Das bedeutet aber auch, es kann nur auf die
Folgen solcher Entwicklungen reagiert werden, da sich erst dann ein Problem
konkretisiert.
eingestellt am 23. Dezember 2007
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