Kapitalistische Logik

Nokia verlegt seine Handyproduktion von D. nach R.   von Rainer Roth

von Rainer Roth

Die Firma Nokia, weltgrößter Produzent von Mobiltelefonen, schließt ihr Werk in Bochum und zieht um ins rumänische Jucu. Dadurch verlieren hierzulande 2000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz, zusätzlich sind  1000 Leiharbeiter von der Stilllegung betroffen. Im Gegenzug schafft Nokia viele neue Arbeitsplätze in Rumänien, nur eben ein bischen kostengünstiger. Denn das ist der Grund für die Verlagerung: die rumänischen Löhne liegen um ein vielfaches unter den deutschen, weshalb man dort etwa zehnmal günstiger produzieren könne, so Konzernvorstand Veli Sundbäck (zit. nach PNN vom 16.1.08). Eine direkte Notwendigkeit für Kosteneinsparungen besteht dabei nicht, denn die Firma steht nach ihrem Rekordergebnis im letzten Jahr wirtschaftlich glänzend da. Es geht aber um die Sicherung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit, so Sundbäck. Und tatsächlich ist es nur ein konsequent kapitalistisches Handeln, was Nokia praktiziert. Man befindet sich im permanenten Wettbewerb, deshalb muss man dahin gehen, wo die Bedingungen für das eingesetzte Kapital am günstigsten sind. Ständige Gewinnmaximierung heißt die Aufgabe für den Vorstand. Da ist kein Platz für Sentimentalitäten oder irgendwelche Rücksichtnahmen. Deshalb ist die moralische Empörung, die Politiker  wie Rüttgers und Co jetzt wieder nach außen tragen,  auch nur eine für die Galerie, fürs erregte Volk. Denn natürlich wissen sie, dass Kapitalismus nur so und nicht anders funktioniert. Und natürlich wird man auch keinen einzigen der einmal als Förderung gezahlten 60 Millionen Euro zurückholen, denn selbstverständlich geht die Firma erst, wenn sie die mit der Förderung verbundenen Bindungen erfüllt hat. Wenn Politiker es wirklich ernst meinten, müssten sie zu einem Boykott von Produkten der Firma Nokia aufrufen. Denn damit kann man Unternehmen wirklich an einem empfindlichen Punkt treffen.

Mal sehen, ob sich noch mehr Seehofers finden, die ihr Nokia – Handy gegen das einer anderen Marke tauschen. 

 

 


   eingestellt am 18. Januar 2008