Fackellauf des Protestes

 

Eine Reise der Harmonie soll es nach der Vorstellung der chinesischen Regierung werden, dieser spektakuläre, bislang längste Transport der olympischen Flamme über 137000 Kilometer durch zwanzig Staaten auf fünf Kontinenten. Eine Ankündigung der Völker verbindenden, Friedens stiftenden Idee der Olympischen Spiele und eine großartige Selbstdarstellungsnummer des chinesischen Staates. Jetzt wird es wohl eher ein Lauf der Disharmonien, des Protestes, der Aggressionen, jedenfalls in den Ländern, wo Demonstrationsfreiheit existiert. Der Mammutlauf wird zu einer Anklage gegen die chinesische Unterdrückungspolitik, negative Schlagzeilen statt harmonischer Bilder. Verantwortlich für diese Entwicklung ist das chinesische Regime selbst, das Regimekritiker brutal verfolgt, Menschenrechte konsequent negiert und Autonomiebestrebungen blutig niederschlägt. China ist eine Diktatur, die ihren Bürgern nur wirtschaftliche Freiheiten gewährt, sie dagegen politisch im Stande der Unmündigkeit halten will. Endlich scheinen auch einige Sportfunktionäre des IOC  wie z. B. Jacques Rogge zu erkennen, dass sich Sport nicht in einer anderen, von der schmutzigen Politik weit entfernten Welt abspielt. Hier die heiteren Spiele mit sportlichen Höchstleistungen und ganz woanders die blutige Unterdrückung, das funktioniert nicht. Gerade Großereignisse wie die Olympischen Spiele oder die Fussballweltmeisterschaft werden von jeder Regierung zur Selbstdarstellung, zur Präsentation eines modernen, weltoffenen, freundlichen Staates genutzt. Insbesondere gilt das für Diktaturen, die ein besonderes Bedürfnis haben, der Welt eine geschönte Fassade vorzuführen. Das war 1936 so und ist 2008 nicht viel anders. (rr)  

 

 

 

 

 


   eingestellt am 14. April 2008