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Chavez para
siempre?
Venezuela auf dem Weg zur Diktatur
Hugo Chavez, der Macht bewusste Präsident
Venezuelas, hat einen weiteren Schritt hin zu seiner Alleinherrschaft getan: Er
hat eine lästige Fessel der Machtbeschränkung gesprengt, indem er mittels eines
Referendums die Begrenzung der Amtszeit des Präsidenten aufheben ließ. Die
Mehrheit des Volkes wollte es doch so und in der Demokratie gilt bekanntlich,
was die Mehrheit will, mag man jetzt einwenden. Doch diese Argumentation greift
zu kurz, weil auch eine Demokratie bestimmter Festlegungen und Begrenzungen von
Mehrheitsentscheidungen bedarf, um funktionsfähig zu bleiben. Dazu gehört neben
der Bestätigung (oder eben dem Gegenteil) von Regierenden durch regelmäßig
stattfindende Wahlen noch eine weitere Sicherung, wenn man einer einzelnen
Person sehr viel Macht verleiht. Man muss dann für diese Machtverleihung eine
absolute zeitliche Grenze einziehen, um der Gefahr von Machtmissbrauch
vorzubeugen. Ansonsten ist die Verlockung für diesen Mensch zu groß, Wahlen zu
manipulieren, demokratische Rechte einzuschränken, die Opposition
einzuschüchtern oder ganz zu verbieten, etc., der Machtapparat einer Regierung
bzw. eines Präsidenten verfügt dabei über ein vielfältiges Repertoire. Die
Methoden werden in den meisten afrikanischen Ländern, aber auch in Russland
regelmäßig anschaulich vorgeführt. Es sind im Regelfall ja keine Gutmenschen,
die etwa aus altruistischen Motiven nach Amt und Würden strebten, sondern
machtgierige, rücksichtslos ehrgeizige, selbstherrliche Persönlichkeiten mit
ausgeprägtem Geltungsbedürfnis. Die Psyche der meisten Politiker dürfte eine
höchst problematische sein, es wird häufig gefährlich, wenn sie sich ungebremst
austoben können. Man muss ihrer zweifellos vorhandenen Energie zwar Raum geben,
muss sie sich möglichst positiv entfalten lassen, aber gleichzeitig gegenüber
ihren negativen Tendenzen feste Schranken errichten. Deshalb gilt in
entwickelten Präsidialdemokratien die eherne Regel einer absoluten Begrenzung
der Amtszeit eines Präsidenten, beispielsweise in den USA insgesamt nur 8 Jahre,
in Frankreich immerhin 14. Parlamentarische Demokratien benötigen eine solche
absolute Begrenzung der Amtszeiten ihrer Führer nicht, da diese dort regelmäßig
geringere Befugnisse haben, deshalb durfte Helmut Kohl 16 Jahre regieren und
Tony Blair immerhin 10. Dass diese Regel auch für die „guten“ Herrscher, die
wirklich etwas für ihr Land und ihr Volk bewirken, gelten muss, mag man
bedauern. Dahinter steht aber die Einsicht, dass jemand mit seiner Macht im
Zweifel mehr Schaden anrichtet als gutes bewirkt. Außerdem ist es nie der
Einzelne allein, der die Dinge bewegt.
Wie lautet nun die Begründung des Hugo Chavez
für die Verfassungsänderung? Er brauche mehr Zeit für den grundlegenden Umbau
des Staates, für die Vollendung der so genannten bolivarischen Revolution. Es
sind immer die gleichen Begründungen, die genannt werden. Um das Gute zu
schaffen, brauchen sie Zeit und meistens auch noch besondere Vollmachten, um per
Dekret durchzusetzen, was ihnen auf parlamentarischem Weg nicht gelingt. Und die
Massen jubeln ihnen zu, wie jetzt in Venezuela. Es ist immer das Kennzeichen
demokratisch unterentwickelter Menschen, dass sie ihr Heil bei einem starken
Mann suchen, dass sie jemanden haben wollen, der ihnen sagt, wo es lang geht.
Die dafür lieber ihre Freiheit weggeben, statt selbständig entscheiden zu
können, aber natürlich auch müssen. Die politisch lieber unmündige Kinder
bleiben wollen statt zu selbst bestimmten Menschen wachsen zu wollen. Das war in
Deutschland nach dem 1. Weltkrieg so, das ist im heutigen Russland so und das
ist eben auch in den vielen demokratisch unterentwickelten Ländern Südamerikas
und Afrikas der Fall. Doch die Bilanzen von Alleinherrschern fallen selten
positiv aus. Verkürzt kann man sagen: Sie versprechen viel und halten wenig, was
sie allerdings mit allen Politikern gemeinsam haben. Bei den Alleinherrschern
kommt aber ein gravierender Nachteil hinzu, für die Stabilität und Reformen, die
sie manchmal bewirken, ist ein hoher politischer Preis zu zahlen. Die
demokratischen Rechte, allen voran Meinungs- und Pressefreiheit, werden
regelmäßig radikal beschnitten oder gänzlich genommen. Gut zu beobachten im
heutigen Russland oder auch in Kuba, wo die Revolution zweifellos die Lage der
Mehrheit der Bevölkerung deutlich verbessert hat. Aber auch dort ist als Preis
der umfassende Verlust der Freiheitsrechte zu zahlen. Vermutlich wird Venezuela
einen ähnlichen Weg gehen, wenn Hugo Chavez die Fortsetzung seines Weges, d.h.
der Gewinn der nächsten und möglichst vieler weiterer Präsidentschaftswahlen
gelingt. (Rainer Roth)
eingestellt am 26. Februar 2009
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