 |
Barack Obama Superstar
Was bringt rund 200.000 Menschen dazu, an einen
Ort zu kommen und geduldig stundenlang im Gedränge auszuharren, um dann die
kurze Rede eines zurzeit jedenfalls ziemlich unbedeutenden amerikanischen
Politikers anzuhören? Das lässt sich rational wirklich nicht erklären, in Bezug
auf die Person Barack Obama herrscht offensichtlich ein emotionaler
Ausnahmezustand, weltweit scheint eine Art Obama-Hysterie ausgebrochen zu sein.
Er surft auf einer Welle von Glaube und Hoffnung. Er hat es geschafft, dass
viele Menschen ihre Wünsche und Sehnsüchte nach Veränderung und Erneuerung nicht
nur in Amerika auf ihn projizieren. Er wird als der Hoffnungsträger
wahrgenommen. Er steht für das andere, das gute Amerika, das Land der Freiheit,
das jedem eine Chance bietet, in dem Menschen aller Rassen und Religionen
friedlich zusammenleben können. Er steht im völligen Gegensatz zum dunklen,
dumpfen Bush-Amerika. Dem Amerika der Kriegstreiber, das die eigenen Werte
brutal negiert, indem es Folter zulässt und Freiheit und Recht mit Füßen tritt,
das Klimaschutz vernachlässigt und dem Rest der Welt immer wieder die Arroganz
der Macht zeigt. Bei der Begeisterung für Obama spielt es dann kaum eine Rolle,
was er eigentlich genau meint, wenn er von change spricht und auch seine
Berliner Rede war letztlich nur eine Anhäufung gut klingender Allgemeinplätze.
In der von Fernsehbildern beherrschten Demokratie spielt der Inhalt einer Rede
kaum noch eine Rolle, sie muss nur überzeugend wirken, d.h. die Inszenierung
muss stimmig sein und der Redner seine Botschaften glaubhaft vermitteln können.
Bei Obama passt alles ziemlich gut zusammen, jung, sympathisch, schwarz. Man
kann sich kaum vorstellen, dass der smarte Senator aus Illinois im Herbst nicht
zum 44. Präsidenten der USA gewählt wird, dass er gegen den immer etwas hölzern
und grobschlächtig wirkenden Haudegen McCain verlieren könnte. Auch wenn der
Kandidat bereits sehr präsidial auftritt, ist die Sache wohl noch nicht
entschieden. Emotion steht gegen Ratio. Doch der Zeitgeist ist auf Emotion
gepolt, auf Begeisterung und so wird Obama die Wahlen vermutlich nur dann
verlieren, wenn er im Laufe des Wahlkampfes die Emotionen der Menschen nicht
mehr treffen, wenn sein Image des Erneuerers, der strahlenden Lichtgestalt nicht
mehr glaubwürdig wirken sollte. (Rainer Roth)

"Erwartung"

"Erfüllung"
eingestellt am 26. Juli 2008
|
 |