Also sprach Barack Obama . . . und handelte sogleich

Der neue Held Amerikas reihte in seiner Eröffnungsrede als frisch gebackener Präsident eine patriotische Platitüde, einen pathetischen Gemeinplatz an den nächsten und erzeugte damit bei zwei Millionen Amerikanern vor dem Kapitol in Washington und vermutlich noch mehreren Millionen vor den Fernsehschirmen einen kollektiven Begeisterungstaumel. Ganz freiwillig, das funktioniert wahrscheinlich nur in Amiland. Appelle an die amerikanischen Tugenden, Erinnerung an die Leistungen der Altvorderen, freilich ohne ein Wort über die dunklen Seiten dieser Nation wie beispielsweise den Völkermord an den Indianern, den Abwurf der Atombombe oder den brutalen Krieg in Vietnam zu verlieren. Viel Balsam für die wunden Seelen der Amerikaner, ansonsten wenig Konkretes. Es ist schon erstaunlich, welche Emotionen dieser Mann in den USA, aber auch in vielen anderen Teilen der Welt auslöst. Obama der Hoffnungsträger, der Heilsbringer, der Mann, in den große Erwartungen gesetzt werden, nicht zuletzt von seiner afrikanischen Verwandtschaft. Alle hoffen, dass er die Welt ein Stück besser macht, dass er, anders als sein Vorgänger, Amerika auch wieder zu moralischer Größe führt. Und dass er darüber hinaus natürlich die übrigen Probleme wie Wirtschaftkrise, Nahostkonflikt, etc. erledigt. Seine Taten werden entscheiden, ob er tatsächlich ein Großer wird oder nur ein eloquenter Schaumschläger ist. Seine ersten Amtshandlungen erscheinen dabei viel versprechend, die Schließung des Gefangenenlagers in Guantanamo, die Auflösung geheimer CIA-Gefängnisse und das Verbot jeglicher Folter bei Verhören. Alles Dinge, bei denen sich das Bush-Amerika über Gesetz und Recht hinwegsetzte allein mit dem Hinweis auf den Krieg gegen den Terror. Aber auch dabei muss gelten, dass ein Zweck eben nicht alle Mittel heiligt, sondern dass es für auf Rechtsstaatlichkeit und den Menschenrechten gegründete Staaten absolute Grenzen gibt. Vielleicht ist Obama ja tatsächlich eines der seltenen Exemplare aus der Spezies der Politiker, bei denen Reden und Handeln übereinstimmen. Amerika und dem Rest der Welt würde das gut tun. (Rainer Roth)

 


   eingestellt am 1. Febraur 2009