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Gewählt werden sie trotzdem
Eine Nachbetrachtung zu den Brandenburger
Kommunalwahlen
Trotz der vielen Bündnisse gegen Rechts, trotz
aller Toleranzfeste und multikulturellen Fußballturniere, trotz aller Mahnungen,
Aufrufe und Ausgrenzungen – gewählt werden die Vertreter von rechtsextremen
Parteien dort, wo sie antreten trotzdem. Zwar nicht von vielen, aber dennoch von
mehr Bürgern als bei den Kommunalwahlen im Jahre 2003. Warum nur, wo sich doch
so Viele in zahlreichen Initiativen und mit einer Vielzahl von Aktivitäten
dagegen engagieren? Eine nüchterne Erkenntnis drängt sich auf: es wird zwar viel
getan, aber offensichtlich das Falsche! Denn wen erreicht man mit all den
Toleranzprojekten und – initiativen? Diejenigen, die sowieso schon gegen Rechts
eingestellt sind, aber nicht deren Wähler. Denn die spricht man mit Art und
Inhalten solcher Veranstaltungen nicht an, im Gegenteil, man schreckt sie ab.
Die wahre Herausforderung ist aber, sie zu erreichen, mit ihnen ins Gespräch zu
kommen. Dazu müsste man aber auch den mühsamen Weg der Auseinandersetzung mit
rechtsextremen Parolen gehen, müsste hinabsteigen ins Reich dumpfer Vorurteile,
dürfte dabei den Kampf nicht scheuen. Freilich nur den mit Worten, so wie es
anständigen Demokraten geziemt. Doch die anderen Parteien grenzen die Vertreter
der Rechtsextremen lieber aus, statt sich mit ihnen inhaltlich auseinander zu
setzen und damit eben auch ihre Wähler, also einen Teil der Bürgerschaft, gleich
mit. Das ist der bequemere Weg und der mutlose. Ein Weg von Leuten, die sich
ihrer eigenen Überzeugungen nicht sicher sind. Denn Rechtsextreme werden, wie
alle extremen Parteien, meist aufgrund tiefer, aber diffuser Unzufriedenheit
gewählt, es ist ein Zeichen von grundsätzlichem Protest gegen die herrschende
Politik. Doch dahinter stehen oft ernsthafte Sorgen und Ängste. Dazu fehlen
Antworten der etablierten Parteien.
Weiterhin ist mehr politische Aufklärung an
Schulen nötig. Dort, wo Menschen noch ungefestigt sind, noch beeinflussbar, muss
man ran an sie und Schüler von den Vorteilen der Demokratie überzeugen.
Natürlich nicht im Wege eines autoritären Staatsbürgerkunde - Unterrichts,
sondern mit demokratischem Ansatz, also offener, kritischer Diskussion. Dazu
bedarf es freilich überzeugter Demokraten und keiner gewendeten Ostlehrer.
Es gäbe also viel zu tun, allein ich zweifle,
dass die Brandenburgische Politik die Probleme anpackt.(Rainer Roth)
eingestellt am 14. Oktober 2008
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