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Marianne Bruns – Schreiben ist
Leben
von Detlev Roth
Marianne Bruns war eine großartige,
leidenschaftliche Schriftstellerin. Sie hat sehr viel geschrieben (siehe
Werksverzeichnis), aber nicht wahllos, sondern sie hatte etwas zu sagen. Heute,
wenige Jahre nach ihrem Tod, droht sie in Vergessenheit zu geraten. Dies hat sie
nicht verdient, und vor allem, wir haben es nicht verdient. Denn ihre Bücher
sind für Kinder, Jugendliche, Erwachsene, alte Menschen, Männer und Frauen
lesenswert. Da sich im Jahr 2009 ihr Todestag zum 15. Mal jährt, soll hiermit an
die kleine große Frau erinnert werden.
Marianne Bruns wurde am 31. August 1897 in
Leipzig geboren. Der Vater war Angestellter in einem Textilbetrieb, die Mutter
wohl Hausfrau. Über Geschwister habe ich nichts gefunden. Das Elternhaus kann
man als bürgerliches Elternhaus bezeichnen, wie es sehr viele im damaligen
Kaiserreich gab. Jedenfalls gingen von ihm keine „sozialistischen“ Ideen aus.
Bis zu ihrem 12. Lebensjahr (1909) wohnte die Familie in Leipzig. Dann erfolgte
der Umzug nach Stettin (heute Polen), wo der Vater mit Hilfe einer kleinen
Erbschaft eine selbständige Existenz gründete. Nach drei Jahren erfolgte aber
schon der Wohnungswechsel nach Breslau, da der Vater nicht besonders
geschäftstüchtig und wenig glückhaft in seinen Unternehmungen war. In Breslau
erwarb der Vater eine kleine Wäscherei, die aber in hartem Konkurrenzkampf zu
den vielen anderen stand. Marianne Bruns begann hier ein Gesangstudium. Durch
die Musik entdeckte sie ihre Liebe zur Lyrik und begann, erste Gedichte für sich
zu schreiben. Am Ende des 1. Weltkrieges starb der Vater, die Mutter führte die
Wäscherei weiter, die geschäftlichen Sorgen blieben. Die Lyrik war für Marianne
Bruns wohl auch eine Möglichkeit, sich mit ihrer Umwelt auseinander zu setzen,
vielleicht war es auch eine kleine Flucht vor den existentiellen Alltagssorgen.
Ein Freund der Familie, dem sie einige Gedichte zur Beurteilung gesandt hatte,
reichte diese ohne ihr Wissen an die Zeitschrift „Kunstwart“, München weiter.
Dessen Herausgeber war zu dieser Zeit Wolfgang Schumann. Die Zusammenarbeit
entwickelte sich schnell, erste Gedichte wurden veröffentlicht, ab 1921 war sie
Mitarbeiterin dieser angesehenen Kulturzeitschrift der Weimarer Republik.

Marianne Bruns
nach einem Bild von Prof. Hanusch (aus Heft „Kulturleben in Freital“,
1954)
1925 erschien ihr erster eigener Gedichtband
„Seliger Kreislauf“ im Kunstwart-Verlag. Wolfgang Schumann vermittelte ihr auch
Kontakte und Gespräche zu damals bedeutenden Literaten und führte sie in die
sozialistische Gedankenwelt ein. Es entwickelte sich eine enge Freundschaft
zwischen Marianne Bruns, Wolfgang Schumann und dessen Frau Dr. Eva Schumann
(Übersetzerin). Nach dem Eingang der Zeitschrift „Kunstwart“ kam sie zum
Breslauer Rundfunk, wurde Hörspielautorin, Rezensentin und Mitarbeiterin des
Kinderfunks.
Durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten
1933 gab es einen krassen Schnitt in ihrer literarischen Entwicklung. Sie verlor
ihre Stellungen in Breslau und ging in die „innere Emigration“ (Zitat von
Hellmuth Heinz). Das Schreiben wurde ihr zwar nicht ausdrücklich verboten, aber
deutlich erschwert. Jegliche politische Themen oder Kritik an der Diktatur waren
verboten. Wolfgang und Eva Schumann emigrierten, kehrten aber nach einiger Zeit
nach Deutschland zurück. Wolfgang Schumann erhielt Schreibverbot. Marianne Bruns
schrieb nach 1933 zunächst drei Kinderbücher, die mehrere Auflagen erlebten und
durchaus positive Kritiken bekamen. Davon konnte sie aber nicht leben, zumal
nach der Rückkehr auch das Ehepaar Schumann bei ihr wohnte. Sie übernahm den
Wäschereibetrieb ihrer Mutter (in anderen Quellen wird für die Übernahme schon
das Jahr 1926 angegeben). Glücklich und ausgefüllt war sie damit nicht. Trotz
der Nazi-Herrschaft und den extrem schwierigen Bedingungen für Andersdenkende
veröffentlichte sie in dieser Zeit vier weitere Romane (den letzten 1943). In
all diesen Büchern ist an keiner Stelle eine Verherrlichung des
Nationalsozialismus oder seines Führers oder des „überlegenen Deutschtums“
enthalten. Es gibt keine Herabsetzung anderer Völker, keine Angriffe gegen die
Juden. Die Bücher sind unpolitisch, aber spannend und auch heute noch
lesenswert. Am Ende des Krieges war ein weiterer Roman („Flugsamen“) fertig, der
aber erst 1948 erscheinen konnte.
Marianne Bruns und das Ehepaar Schumann mussten
vor der heranrückenden Front weichen, kamen nach einigen Wirren nach Freital und
erlebten dort das Ende des 2. Weltkrieges. Unter der Herrschaft der
Nationalsozialisten blieben aber auch Arbeiten von ihr unveröffentlicht und
gingen durch die Flucht verloren. Möglicherweise stark beeinflußt durch
gemeinsame gute Freunde (z.B. den Maler Prof. Hanusch) fanden die drei eine
Unterkunft im Poisental in Freital. Später wohnten sie zusammen in einem Haus im
Poisental.

(Marianne Bruns
im Alter von 60 Jahren, aus Heft Kulturleben in Freital, 1957)
Sie begann wieder zu schreiben, ihre Arbeiten
wurden nun politischer, sie engagierte sich für den Sozialismus, für den Aufbau
eines neuen deutschen Staates. Der Mitteldeutsche Verlag entdeckte sie und gab
ihr den Auftrag, einen Roman über die Frauenbewegung, den Kampf für die
Gleichberechtigung von Mann und Frau zu schreiben. Das Ergebnis war der
großartige Roman „Uns hebt die Flut“, der 1952 erschien. Wohl deswegen wurde
Marianne Bruns seither sehr zu unrecht von verschiedenen Seiten als
„Frauenautorin“ abqualifiziert. Dies ist aber absolut falsch. Sie schrieb
Kinderbücher, Unterhaltung, historische Romane, „politische“ Romane und war auch
Herausgeberin von Büchern (z.B. „Deutsche Stimmen“, 1956; „Bauer und Richter“,
1956). In der Zeit von 1948 bis 1960 erschienen 11 Bücher von ihr, sie schrieb
Laienspiele für Kinder, war Herausgeberin von Büchern und Texte von ihr wurden
in anderen Büchern veröffentlicht. Es war eine sehr produktive Zeit, und sie
lebte sich immer besser in ihrer neuen Umgebung ein. 1957 wurde zwar noch in
einem Artikel in den Heften „Kulturleben in Freital“ kritisiert, dass sie in
ihrer Wahlheimat Freital eine fast Unbekannte ist und auch die in Freital
ansässige Kreisredaktion der Sächsischen Zeitung sich nicht mit den Arbeiten der
Autorin auseinandersetzt. Dies änderte sich aber in den nächsten Jahren. 1957
wurde sie als Delegierte von Freital zum Bundestag des Kulturbundes gewählt. Im
Jahr 1958 erhielt sie den Kunstpreis der Stadt Freital für ihr „unserer Zeit
zugewandtes“ literarisches Schaffen. Sie nahm 1959 an der ersten Bitterfelder
Konferenz teil und unterstützte nachdrücklich das Ziel, einen intensiveren
Austausch von Schriftstellern und Werktätigen zu erreichen. Ebenso forderte sie
die Werktätigen auf, selber über ihre Arbeitswelt zu schreiben. Die Literatur
sollte dabei helfen, die Menschen zu motivieren und die schwierigen ökonomischen
Fragen zu lösen. Literatur zur Erreichung der Ziele des jungen Staates. In drei
Arbeiten in den Jahren 1960 – 1962 griff sie dabei als Thema die Bildung von
sozialistischen Brigaden in den Betrieben auf. Ihre Manuskripte diskutierte sie
intensiv bei Lesungen in den Betrieben mit den Arbeitern (z.B. im Edelstahlwerk
oder im Pressenwerk Freital). Ein Werk („Das ist Diebstahl“) wurde auch auf
einer Wirtschaftskonferenz des Zentralkomitees der SED und des Ministerrates
diskutiert. 1961 erhielt sie für diese Arbeiten den Literaturpreis des FDGB.
Dann aber war Schluss mit ihrer zu großen Nähe zur Partei. Sie wandte sich
historischen Themen zu, die ebenfalls die neue Gesellschaft unterstützten, aber
wirkliche erzählerische Meisterwerke sind. Hier ist als allererstes der Roman
„Der neunte Sohn des Veit Stoß“ (erschienen 1967) zu nennen. Aber auch der Roman
„Die Spur des namenlosen Malers“ (1975) ist höchste Erzählkunst.
1967 wurde sie zusammen mit ihrer Freundin, der
Übersetzerin Dr. Eva Schumann, Ehrenbürgerinnen der Stadt Freital. Zu diesem
Zeitpunkt war sie 70 Jahre alt, aber noch lange nicht schreibmüde. 1969 erhielt
sie den „Martin-Andersen-Nexö“ – Preis der Stadt Dresden.
Ende der 70er Jahre griff sie ein biblisches
Thema auf und verband es ausgezeichnet mit aktuellen Fragen. In dem Roman „Der
grüne Zweig“ (1979) schildert sie Noah beim Bau der Arche vor der Sintflut.
Eingebettet ist diese Handlung in Gespräche von vier Menschen unserer Zeit, die
sich über Umweltschutz, Massenvernichtungswaffen und der Ignoranz von Menschen
unterhalten. Marianne Bruns übt dabei offene Kritik am Umgang der Staaten und
Menschen mit ihrer Umwelt und spart dabei auch die DDR nicht aus (...wir haben
die Werra versalzen...). Biblische Themen griff sie noch in zwei weiteren
Büchern auf („O Ninive“, 1984; „Der Fall Lot“, 1987).
Gegen Ende ihrer Schaffensperiode (sie ist nun
über 85 Jahre alt) erschienen auch wieder Gedichtbände, so dass sich der Kreis
zu ihrer ersten Buchveröffentlichung, einem Gedichtband aus dem Jahre 1925
schloss. Freunde gaben 1982 zu ihrem 85. Geburtstag einen Gedichtband heraus
(„Einladung bei M.B. Gedichte von Marianne Bruns“). Die allerletzte
Veröffentlichung 1990 („Ungewöhnliche Liebeserklärung“) ist eine Auswahl ihrer
Gedichte aus sieben Jahrzehnten.
Welch ein großartiges Schaffen in dieser langen
Zeit: 40 eigene Veröffentlichungen, dazu Herausgeberin mehrerer Werke (als
erstes schon 1925 eine Auswahl der Werke von Jean Paul) und viele Beiträge in
anderen Büchern und Zeitschriften. Diese eher zart gebaute Frau hat, seitdem sie
20 war, immer literarisch gearbeitet, Stoffe für ihre Bücher gesammelt,
schwierigste Themen aufgegriffen, vier politische Systeme erlebt, den
Nationalsozialismus, zwei Weltkriege und die totale Niederlage 1945 und auch den
bröckelnden und gescheiterten Sozialismus in der DDR erlebt. Sie hat sich von
keinem System unterkriegen lassen, gestoppt hat sie zuletzt nur das Alter und
der Tod.
Sie war nicht verheiratet und hatte keine
Kinder. In Freital wohnte sie bis zuletzt mit dem Ehepaar Schumann zusammen. In
keiner Veröffentlichung habe ich etwas von einer Beziehung, einer Liebe zu einem
Mann gelesen. Aufgrund der frühen, leidenschaftlichen Gedichte denke ich aber
schon, dass sie einen Mann geliebt hat. Möglicherweise ist der im ersten
Weltkrieg gefallen. Danach war die Lyrik und Literatur ihre große Liebe. Die
Themen, die sie in ihren Büchern behandelt, sind sehr breit gefächert. Wenn man
sie mit Schlagworten beschreiben sollte, könnte man Kinder- und Jugendbücher,
Toleranz, Gleichberechtigung der Frauen, Kampf für eine gerechtere,
sozialistische Welt, biblische Themen sowie Lyrik nennen.
Marianne Bruns ist am 01. Januar 1994 in Dresden
im 97. Lebensjahr gestorben, begraben wurde sie in Freital-Deuben. Ihr
literarischer Nachlass ist in der Sächsischen Landesbibliothek Staats- und
Universitätsbibliothek Dresden (SLUB). 1998 wurde ihr durch die
Frauengeschichtswerkstatt Weißeritzkreis das August-Blatt im Kalender über
Frauen im Weißeritzkreis gewidmet. Ansonsten droht sie schon in Vergessenheit zu
geraten.

Grab von Marianne
Bruns auf dem Friedhof in Freital-Deuben
2009 jährt sich ihr 15. Todestag und das ist ein
guter Anlass an diese bedeutende Schriftstellerin zu erinnern. Sie würde es
sicherlich am allermeisten freuen, wenn wieder mehr Menschen und vor allem auch
Kinder und Jugendliche ihre Bücher lesen würden. Sie hat sehr viel geschrieben,
alle Altersgruppen finden hier das Passende.
(Quellen für diesen Text sind im Wesentlichen
Gerd Noglik in einem Nachwort zum Buch „Zeichen ohne Wunder/ Der grüne Zweig“,
1982 und Hellmuth Heinz bei Würdigungen von Marianne Bruns in den Heften
„Kulturleben in Freital“ 1954 – 1962).
Werkverzeichnis
Dieses
Werkverzeichnis erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Insbesondere bei den
Beiträgen, die Marianne Bruns in Zeitschriften und anderen Büchern
veröffentlicht hat, sind mir noch viele unbekannt. Einige ihrer Romane wurden in
der DDR nach der Erstveröffentlichung auch in Doppelbänden herausgegeben.

a)
Eigene Bücher
-
Seliger Kreislauf
(Gedichte), 1925
-
Reise durch
Schweden, 1926 (mir unbekannt)
-
Telemachos,
Novelle, 1927
-
Jau und Trine
laden ein, Kinderbuch, 1933
-
Die Schwedin und
die drei Indianer, Kinderbuch, 1934
-
Willi und Kamilla.
Zwei Kinder wachsen heran, Kinderbuch, 1935
-
Die Dioskuren in
Olympia, Roman, 1936 (1937 unter dem Titel Die Auserwählten. Roman aus
Altgriechenland veröffentlicht)
-
Das rechtschaffene
Herz, Roman, 1939
-
Über meinem grünen
Garten fliegen die Schwalben, Roman, 1940
-
Die Tochter der
Parze, Roman, 1943
-
Flugsamen, Roman,
1948
-
Wiegand der
Feuerträger, Novelle, 1949
-
Tobbys Buch. Eine
Theatergeschichte, Jugendbuch, 1949
-
Geht Christel
Peters zur Bühne?, Jugendbuch, 1950
-
Uns hebt die Flut,
Roman, 1952
-
Glück fällt nicht
vom Himmel, Roman, 1954
-
Darüber wächst
kein Gras, Roman, 1956
-
Frau Doktor
privat, Roman, 1957
-
Der Junge mit den
zwei Namen, Jugendbuch, 1958
-
Die Silbergrube,
Jugendbuch, 1959
-
Das ist Diebstahl,
Novelle, 1960
-
Schuldig befunden,
Novelle, 1961
-
Zwischen Pflicht
und Kür, Jugendbuch, 1962
-
Verständnis für
die Neunte, Novelle, 1962
-
Die Lichtung,
Hist. Miniaturen, 1965
-
Der neunte Sohn
des Veit Stoß, Hist. Roman, 1967
-
Fahrt zum Bahnhof,
Kinderbuch, 1967
-
Deine Marianne.
Briefe an Freunde, 1969
-
Großaufnahme
leicht retuschiert, Roman, 1973
-
Die Spur des
namenlosen Malers, Hist. Roman, 1975
-
Zeichen ohne
Wunder, Roman, 1977
-
Der grüne Zweig,
Roman, 1979
-
Szenenwechsel,
Roman, 1982
-
Einladung zu M.B.
Gedichte von Marianne Bruns (zu ihrem 85. Geburtstag), 1982
-
O Ninive, Roman,
1984
-
Luftschaukel,
Miniaturen und Gedichte, 1985
-
Der Fall Lot,
Roman, 1987
-
Wiedersehen,
Roman, 1987
-
Nahe Ferne,
Gedichte, 1989
-
Ungewöhnliche
Liebeserklärung, Gedichte aus 7 Jahrzehnten, 1990
Für folgende weitere Werke habe ich Angaben gefunden:
-
Die Rettung,
Erzählung, 1949
-
Fahrrad und
Stiefmutter, Laienspiel für Schulen, 1950
-
Das verschwundene
Messer, Laienspiel für Kinder, 1951
-
Hausfrauenbrigade,
Eine Szene, 1962
b)
Herausgeberin/
Mitherausgeberin
-
Jean Paul,
Ausgewählte Werke, 1925
-
Bauer und Richter,
1956
-
Deutsche Stimmen,
1956
-
Neue Prosa und
Lyrik aus Ost und West, 1956
-
Briefe aus Zittau,
1960
c)
Beiträge in
anderen Büchern und Zeitschriften
-
Ein
Weihnachtsmärchen in“ Wir Schlesier!“ Halbmonatsschrift für schlesisches Wesen
und schlesische Dichtung. 2. Jahrg. Nr. 6 vom 15.12.1921
-
Die dunkle
Stunde in „Jugend“, Zeitschrift, Jahrg. XXVII, Heft 20, 1922
-
Beitrag in
„Kunstwart und Kulturwart“, Monatsschrift für Ausdruckskultur auf allen
Lebensgebieten, 38. Jahrg. Heft 4, Jan. 1925
-
Beitrag in „Der
Gesundbrunnen 1927“, Kalender des Dürerbundes (Andere Schriftsteller u.a. W.
Rathenau, Walter von Molo, Arno Holz)
-
Erstdruck in
Lange/ Schreck (Hrsg.): “ Die Zeit trägt einen roten Stern“, 1960 Deutsche
Schriftsteller berichten über Revolution und Klassenkampf; Lit. Chronik der
revolutionären Kämpfe 1917 – 1945
-
An einen
westdeutschen Freund in „Erkenntnisse und Bekenntnisse“, 1964 Das Buch gibt
Einblicke in das Leben von 17 Schriftstellern, die im Sinne der Bitterfelder
Konferenz Chronisten der erregenden Prozesse unserer Zeit sind. Andere Autoren
u.a. Johannes Arnold, Rainer Kirsch, Erik Neutsch
-
Beitrag in
„Unser Haushalt“, 1964 Praktisch literarischer Ratgeber für Frauen für alle
DDR-typischen Lebenslagen
-
Beitrag in Gerd
Noglik (Hrsg.) „Unsere Kinder“, 3. Aufl. 1973
-
Beitrag in
Helge Duty (Hrsg.) „Die Schublade“, 1982 Texte aus erster Hand
-
Beitrag in G.
Stoerch (Redaktion) „Wegzeichen“, 3. Aufl. 1987
-
Das letzte Bild
des Wang We in „ Sinn und Form“, Beiträge zur Literatur, 39. Jahr 4. Heft 1987
(Hrsg.: Akademie der Künste der Deutschen Demokratischen Republik)
-
Beitrag in
Cwojdrak/ Piper (Hrsg.) „Kater Kasimier geht angeln“, 1988 Ein Jahrbuch für
Kinder
-
Beiträge in
„Neue deutsche Literatur –ndl“, Monatsschrift für Lieratur und Kritik
Heft 7/1957: Brief einer jungen Frau an ihre Mutter
Heft 8/1980: Zu beiden Seiten des Flusses
Heft 8/1982: Erfüllungen
Heft 12/1985: Lots Befreiung
Heft 8/1987: Miniaturen
-
Beiträge in
„Kulturleben in Freital“
Heft April 1954: Gedicht „Der Kran“
Heft Juni 1954: Gedicht „Zwei Quintette“
Heft Februar 1955: Artikel über die Übersetzerin Eva Schumann
Heft Oktober 1958: Beitrag „Vom Lesen“
Heft März 1959: Beitrag über eine Schriftsteller-Tagung in Bitterfeld
Heft Januar 1961: Worte zum neuen Jahr
Bei der Recherche zu ihren
frühen Beiträgen in anderen Zeitschrift gibt es die Schwierigkeit, dass
manchmal die Abkürzung M. Bruns auftaucht. Dies kann aber auch Max Bruns sein,
ein Schriftsteller und Verlagsbuchhändler, der von 1876 bis 1945 gelebt hat. So
ist wohl ein Beitrag in der Zeitschrift „Chorus Eroticus“, Neue deutsche
Liebesgedichte Heft 1, Leipzig 1921 (Hrsg.: Karl Lerbs )von Max Bruns.
Kurze Vorstellung ihrer Bücher:
„Seliger Kreislauf“, Gedichtband 1925
Dies ist ihre erste eigenständige Veröffentlichung, vorher erschienen
einzelne Gedichte und Kurzgeschichten in verschiedenen Zeitschriften. Die
Gedichte sind z.T. sehr kraftvoll, voll Liebe, Sehnsucht, aber auch Einsamkeit.
Sie sind voll Symbolik, sie läßt sich aber nicht auf ein bestimmtes Thema
festlegen. Es sind keine leichten Gedichte, die irgendetwas Banales mit schönen
Reimen feiern, sie zeugen schon von Lebenserfahrung und durchlittenem Leid.
Marianne Bruns war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 28 Jahre alt. Danach
veröffentlichte sie für viele Jahre keinen Gedichtband mehr.
Beispiel:
Die Ahnen meines Blutes waren stumm,
sie wuchsen auf, sie schufen Taten und starben
und trugen schweigend schwere Lieder um,
die unerlöst um Klang und Dasein warben.
Ich bin dem alten Sang der Brunnenmund.
Was sie durchtropfte, bricht aus mir als Quelle
und murmelt dunklen Klang aus dunklem Grund
und spiegelt endlich Himmel in der Welle.
„Telemachos“, Novelle 1927
Sie hat hier ein Thema aus der griechischen Mythologie gestaltet.
Telemachos sucht seinen Vater Odysseus und trifft in Sparta die schöne Königin
Helena.
Er sucht den Sinn des Lebens, fragt die Götter „Wozu leben wir?“, bekommt
aber keine Antwort. Am Schluss findet er seinen Vater Odysseus und kehrt heim.
Schwer, den Sinn der Novelle nachzuvollziehen. Die Sprache ist
geheimnisvoll, voller Andeutungen, Rätsel. Die Liebesszene zwischen Helena und
Telemachos ist kraftvoll gestaltet.
Ein sehr eigenes Werk, wohl das erste, welches sich mit der griechischen
Sagenwelt beschäftigt. Sie greift das Thema Alt-Griechenland später aber noch
einmal auf.
„Jau und Trine
laden ein“, Kinderbuch 1933
Ein sehr schönes Kinderbuch,
lustige Einfälle, fröhliche Stimmung in der Familie. Die zwei Kinder laden ihre
Eltern zu einem Pfingstausflug mit Mittagessen ein (Mutter hat Geburtstag). In
der Zeit des knappen Geldes ist dies ein großes Geschenk. Die Familie nennt dies
„Das große Umgekehrt“ – Kinder übernehmen die Rolle der Erwachsenen (Einladen
und Bezahlen), die Eltern spielen die Kinder. Einen Freund der Kinder nehmen sie
auch noch mit. Der Junge glaubt aber, das gesparte Geld verloren zu haben, und
hieraus ergeben sich komische Szenen. Einzelne Ereignisse erscheinen etwas
unglaubwürdig, aber lesenswert geschrieben, und dazu Illustrationen.
Dieses ist das erste Buch, dass
nach der Machtergreifung von Hitler erschien. Es kommt aber kein Wort von der
Partei, Groß-Deutschland oder Fremden- und Judenfeindlichkeit vor. Natürlich
kann Marianne Bruns nun auch nichts mehr Politisches schreiben, es ist einfach
ein Kinderbuch.
„Die Schwedin
und die drei Indianer“, Kinderbuch 1934
Wieder ein Kinderbuch, diesmal
schon für etwas ältere Kinder. Es wird die schwierige Annäherung einer Frau (aus
Schweden) an den Sohn ihres neuen Mannes erzählt. Sie ist die Stiefmutter, der
Mann oft unterwegs. Der Junge lebt in wohlhabenden Verhältnissen (großes Haus
und Garten, Hauspersonal), ist aber nach dem Tod seiner Mutter oft allein
gewesen und daher recht wild. Er will seine Stiefmutter nicht näher kennen
lernen, denkt, sie wird ihm seine Freiheiten nehmen. Er spielt ihr Streiche und
dabei brennt das geliebte Gartenhaus ab. Doch die Stiefmutter bietet ihm an,
dass er den Wiederaufbau leiten kann und auch mitarbeiten. Sie ist nicht
autoritär, sondern sehr einfühlsam und behandelt die Kinder ein Stück weit wie
Erwachsene. Schöne Illustrationen von Prof. Hanusch.
Auch hier wieder kein Wort zur
Politik oder zur Partei. Es wird aber schon die Selbständigkeit der Frau betont,
sie hat einen Beruf und verdient selber Geld.
„Über meinem
grünen Garten fliegen die Schwalben“, Roman 1940
Rückblick einer 37jährigen Frau
Lily Leupold (eine sehr gute Klavierspielerin, die Konzerte gibt) auf
Kindheitserlebnisse und die gedankliche Auseinandersetzung mit einem Mann.
Erzählt wird die Geschichte in Briefen, die Lily an eine Freundin schreibt. Ort:
Rubitz „im einsamen Osten Deutschlands“.
Die Frau entscheidet sich gegen
die herkömmliche Rolle der Frauen (Ehefrau und Mutter), sie will ihr Leben
selber bestimmen, bei ihrer Arbeit (Musik, Kunst) Anerkennung finden. Freunde,
ja, Liebe, ja, aber keine Ehe und Mutterrolle.
Eine selbstbewußte, erfolgreiche
Frau wird dargestellt, die sich nicht von den Männern dirigieren läßt. Obwohl
der Krieg schon begonnen hatte, auch hier kein Wort zur Partei, zu Hitler oder
zu Fremdenfeindlichkeit. Möglicherweise hat Marianne Bruns ähnliche Erfahrungen
(sie war 1940 43 Jahre alt), war nicht verheiratet, hatte keine Kinder. Aber sie
war eine selbständige Frau (Unternehmerin – Wäscherei und Schriftstellerin).
„Flugsamen“,
Roman 1948
Ein sehr eigener Roman vom
Thema, der nicht in ihre sonstigen Arbeiten passt. Ein Kleinstadtidyll
(Buchbaden), ein Bürgermeister mit 6 Töchtern (5 sind noch zu Hause) und einem
Sohn, idyllischem Garten, feste Grundsätze (Luft, Wasser, kein Alkohol, kein
Fleisch), Stil altmodischer Patriarch. Er will gerne eine Quelle in seinem
Heimatort erschließen, ein Kur- und Heilbad errichten. Da kommt ein Berliner
Gardinenfabrikant, will ein Grundstück in der Gemeinde erwerben und eine
Gardinenfabrik bauen. Das wäre das Ende der Pläne für einen Kurort, weil Dreck
und Lärm und viele Arbeiter kämen.
Nebenbei bringt der junge
Fabrikant auch noch Liebesabenteuer zu den Töchtern des Bürgermeisters. Es
wendet sich aber alles zum Guten, Happy End. Soweit ein schwaches Buch, zuviel
unglaubliche Vorfälle, Ereignisse und Zufälle.
Es geht aber auch hier wieder um
die Rolle und Aufgaben der Frauen. Soll sie nur Mutter und Ehefrau sein, demütig
warten auf ihren Mann, ihm alles überlassen, keinen Beruf und keine Bildung
anstreben? Dies will der Bürgermeister. Der junge Fabrikant will dies nicht. Die
Tochter, die er heiraten wird, darf ihre Ausbildung machen, soll Reisen machen,
ihre Unabhängigkeit erstreben. Es geht um die „Gleichberechtigung“ der Frauen.
Dieses Thema greift Marianne Bruns noch öfters auf.
Dieser Roman ist zu Kriegszeiten
entstanden, aber erst 1948 veröffentlicht worden. Es ist der letzte, der beim
Verlag Cecilie Dressler Verlag, Berlin erschien. Das Buch hat in der DDR keine
weiteren Auflagen erlebt. Es war im Stil wohl zu bürgerlich, passte nicht mehr
in die neue Zeit.
„Wiegand der
Feuerträger“, Novelle 1949
Die Novelle spielt in einer
fiktiven Zeit, in einer fiktiven Stadt. Wiegand kommt nach langer Abwesenheit in
seine Heimatstadt zurück, die aber stark zerstört ist (nach einem langen Krieg).
Hunger und Elend herrschen, die Menschen sind mutlos. Wiegands Bruder soll als
der Schuldige an diesem Unglück (obwohl alle Schuld haben) getötet werden. Ein
Gottesurteil soll über seine Schuld entscheiden – mit glühendem Eisen soll er
gebrannt werden – übersteht er es unverletzt, ist er unschuldig, ansonsten
schuldig. Die alte Ordnung (der Schulze) wird als schwach und unschlüssig
dargestellt. Wiegand übernimmt für seinen Bruder die Prüfung. Seine Hand
verbrennt, aber das Volk erkennt nun die Ungerechtigkeit und Dummheit einer
solchen Prüfung. Wiegand wird nicht getötet. Auch der Kaiser (die höchste Macht
der alten Ordnung) besucht ihn. Aber auch er hat keine Macht mehr, seine Zeit
ist abgelaufen. Ein von Wiegand gerettetes Neugeborenes steht für die neue Zeit,
die Zukunft, ein neues Geschlecht. Angst, Krieg, Leid, Furcht sollen überwunden
werden. Wiegand sieht im Fieberwahn das neue Geschlecht : Sie knien nicht vor
dem Kaiser. Sein Himmel, in welchem er lächeln soll, den wird der (neue) Mensch
sich selber erschaffen.
Eines ihrer ersten Bücher nach
dem Krieg mit einer klaren politischen Botschaft: Überwindung des Alten, der
neue Mensch schafft sich seine neue, gerechte Welt.
„Tobbys Buch“,
Eine Theatergeschichte 1949
Sehr gut geschriebene Geschichte
um eine Schüler-Laienspielgruppe im Nachkriegsdeutschland (Bezug zu Freital).
Die Kinder müssen lernen, wie sie ein Theaterstück aufführen. Die Erwachsenen
(Marianne Bruns als Ich-Erzählerin, Schriftstellerin und Beraterin) geben
Hinweise, engagieren sich, aber die Verantwortung haben die Jugendlichen. Es ist
so geschildert, als ob eine reale Erfahrung von Marianne Bruns dahintersteht.
Das Kollektiv ist das Entscheidende, alle müssen dafür arbeiten und ein Stück
weit ihre eigene Persönlichkeit zurückstellen. Die Kinder werden als
gleichberechtigt dargestellt, die Erwachsenen geben Hinweise, aber bestimmen
nicht.
„Geht Christel
Peters zur Bühne?“, Jugendroman 1950
Ein sehr politisches Buch. Die
Jugend (15 jährige) werden zum aktiven Eintreten für „ihren“ Staat aufgefordert.
Lernen, weiterbilden, sich politisch engagieren, das soll ihre Aufgabe sein. Die
Kunst, gerade auch die Schriftsteller/ Dichter haben das Zeitgenössische zu
verarbeiten (Realismus, Beschäftigung mit den aktuellen Problemen der
sozialistischen Gesellschaft). Keine Toleranz gegenüber politisch
Andersdenkenden. Der Staat muss vor inneren und äußeren Feinden geschützt
werden. Toleranz im privaten, auch gegenüber Künstlern, aber nicht im
politischen. Eine Gruppe Minensucher (suchen im Wald nach Minen aus dem 2.
Weltkrieg) wird als gefährlich für den neuen Staat dargestellt. Sie trinken
viel, sind treulos gegenüber Frauen, halten nicht zum Staat, ja betrügen ihn,
weil sie zuviele Minen abrechnen (sie erhalten hierfür Prämien). Dies ist eine
alte, unverbesserliche Gruppe, die aussterben wird.
Nebenbei wird auch noch die
Rolle von Mann und Frau in der neuen sozialistischen Gesellschaft definiert:
Gleichberechtigung, menschlicher Umgang. Aus der Zeit (1950) verständlich:
Leidenschaftlicher Appell für den Aufbau der neuen Gesellschaft gerade durch die
Jugend, aus heutiger Sicht überzeichnet, unrealistisch. Auch die
Liebesgeschichte einer 17jährigen zu ihrem wesentlich älteren Lehrer ist schwach
dargestellt. Im Buch kommen einige Figuren vor, die auch schon im Buch „Tobbys
Buch“ vorkamen. Ist aber keine Fortsetzung.
„Uns hebt die
Flut“, Roman 1952
Eine junge Frau aus
gutbürgerlicher, wohlhabender Familie erlebt um 1900 die Konflikte der
Arbeitswelt und der Frauenbewegung in Berlin. Armut, schreiende Ungerechtigkeit,
Unterdrückung der Frauen, Kampf der Sozialdemokratie um Anerkennung. Sehr gut
geschrieben, spannend erzählt. Marianne Bruns webt in diesen Stoff 5 bekannte
Frauen der Zeit ein, die mit der Hauptperson Bekanntschaft schließen (Franziska
Tibertius, erste deutsche Ärztin; Helene Lange, Führerin der bürgerl.
Frauenbewegung; Clara Zetkin, Sozialistin; Lily Braun, Schriftstellerin/
Politikerin; Käthe Kollwitz, Künstlerin).
Nach der Geburt ihres Kindes
zieht sich die Hauptperson ins private zurück. Ein sehr gutes, überzeugendes
Buch. Wohl hauptsächlich wegen dieses Buches wurde Marianne Bruns als
„Frauenschriftstellerin“ abqualifiziert. Dies ist aber nicht richtig.
„Glück fällt
nicht vom Himmel“, Roman 1954
In ruhigen, guten Worten erzählt
Marianne Bruns von einfachen Menschen, die in einem Mehrfamilienhaus
zusammenleben. Der Ort erinnert an Freital, Poisental, wo Marianne Bruns lebte,
wird aber nicht ausdrücklich genannt. Es geht um Familienprobleme,
Arbeitsprobleme, auch um Sozialismus, um den Kampf der Frauen um
Gleichberechtigung. Die Figuren können zuhören, überlegen, geben keine
vorschnellen Ratschläge. Sie sind nicht oberflächlich, eher ruhig, haben aber
einen festen Willen und ein Ziel vor Augen. Wenn sie etwas sagen oder raten, ist
dies gut durchdacht. Lesenswert, ohne spektakulär zu sein. Guter Titel mit der
klaren Botschaft: Die Menschen müssen sich ihr Glück selber schmieden.
„Darüber
wächst kein Gras“, Roman 1956
Es geht um die Nachkriegszeit,
die DDR hat sich gegründet, es geht langsam aufwärts. Die menschlichen Konflikte
aus dem 2. Weltkrieg sind aber noch nicht aufgearbeitet. Die Hauptperson ist ein
ehemaliger Widerstandskämpfer, Kommunist, der in Gefangenschaft war, dem Tode
nur knapp entronnen. Als er noch im Krieg 1945 entkräftet heimkehrt, hat seine
Frau einen anderen Mann. Die beiden versuchen, Herbert Richter zu töten und
fliehen. Er überlebt, verliert aber die Spur von seiner Frau und auch von seinem
Kind.
Herbert Richter bekommt in der
DDR einen guten Job, steht seinen Mann, arbeitet für den Sozialismus. Er will
eine deutlich jüngere Frau aus der ehemaligen Oberschicht heiraten. Der
schuldige Mann, Karl Müller, steht aber in der DDR ebenfalls seinen Mann, ist
Neubauer und Vorsitzender der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe. Sie
wollen eine LPG gründen, Karl Müller wird Vorsitzender. Herbert Richter wird nun
Vorsitzender des Rates des Kreises in dem Gebiet von Karl Müller.
Zum Finale kommt es bei einer
Genossenschaftsversammlung, in der schwere persönliche und fachliche
Anschuldigungen gegen Karl Müller erhoben werden. Herbert Richter hilft ihm im
Amt zu bleiben, weil er erkennt, dass dieser Mann tüchtig ist. Die persönliche
Schuld kann er ihm nicht verzeihen, verzichtet aber auf Rache zugunsten des
Staates und der Partei, die Leute wie Karl Müller braucht.
Spannend geschrieben, es gibt
nicht einfach Gut und Böse. Menschen ändern sich, der neue Staat bietet allen
Willigen eine Chance, die Menschen und das Leben haben viele Facetten.
„Frau Doktor
privat“, Roman 1957
Eine Frau, Ärztin, wird
geschildert, die Beruf und Privatleben meistern muss. Die Frau kommt beruflich
voran, geht eigenständige Wege, ohne deshalb die Familie aufzugeben. Aber sie
verlangt auch Rücksicht von ihrem Mann und ihren Kindern auf ihre berufliche
Situation.
Die Botschaft ist klar: Starke
Frauen schaffen Beruf und Familie, führen aber anders als Männer, nehmen mehr
Rücksicht, geben Rat, drängen sich nicht auf. Sie brauchen aber Unterstützung
von allen, jeder muss in seinem Bereich eigenständig handeln. Gut geschildert,
einfühlsam.
„Der Junge mit
den beiden Namen“, Jugendbuch 1958
„Die Silbergrube“, 1959
Die beiden Bücher gehören
zusammen, es gibt auch Ausgaben, in denen sie zusammen veröffentlicht sind. Laut
Buchangabe für Kinder ab 11 Jahren.
Die Bücher sind sehr spannend,
überzeugend erzählt. Ein Junge aus adligem Geschlecht (aber ein „Bastard“, da
seine Mutter eine Magd ist) wird verstoßen und kommt zu einer Zeidler-Familie
(Bienenwirtschaften im Wald). Die Geschichte spielt im Erzgebirge im Mittelalter
zur Zeit des großen Berggeschreis. Die Hauptfiguren sind interessant, die
Zeitumstände werden gut dargestellt. Marianne Bruns hat auch hier wieder ihre
politische Überzeugung im Blick: Einigkeit der Bergleute, Gerechtigkeit, Kampf
der Armen gegen die Maßlosigkeit der Reichen, Intrigen in den Klöstern. Sie gibt
aber keine einfachen, platten Lösungen vor, keiner ist nur Gut oder nur Böse.
Mitunter kann auch einmal ein reicher Kaufmann helfen (natürlich nur, wenn er
auch Vorteile sieht). Ein Happy-End gibt es nicht, aber die Hoffnung, dass eine
neue Zeit gerechtere Lösungen finden wird. Auch hier wieder muss die Jugend die
bessere Welt schaffen. Marianne Bruns zeigt hier überzeugend ihr Geschick für
historische Romane, auch ihre Kunst für Kinderbücher.
„Das ist Diebstahl“, Novelle 1960
„Schuldig befunden“, Novelle 1961
„Verständnis für die Neunte“, 1962
Die drei Geschichten gehören von der Thematik her zusammen.
Die ersten beiden wurden auch zusammen in einem Band veröffentlicht. Man könnte
diese Bücher als Phase bezeichnen, in der Marianne Bruns ganz eng mit aktuellen
politischen und betrieblichen Fragen beschäftigt war.
Das ist Diebstahl: In dieser Novelle geht es um
Normverschleierung, Betrug am Betrieb und Staat. Es werden Leistungsangaben
gemacht, die so nicht erbracht werden, um mehr Lohn zu erhalten (Prämiensystem).
Dies scheint ein gravierendes Problem der damaligen sozialistischen Großbetriebe
gewesen zu sein, dass die Arbeiter (auch die guten) sie betrogen. Unrealistisch
erscheint aber, dass zwei Oberschüler, die einmal einen Betrieb besuchen, dies
gleich herausfinden (durch einen schwatzhaften, prahlenden Arbeiter) und dann in
einer großen Produktionsberatung dies offenbaren. Nach kurzem Sträuben
akzeptieren die Arbeiter alle Vorwürfe und finden schnell einen Weg, dies zu
ändern (der wird aber nicht genannt). Aus heutiger Sicht vom Thema nicht so
interessant, allerdings menschlich verständlich. Marianne Bruns will aber
zeigen, dass so etwas in einem sozialistischen Betrieb nicht geduldet werden
darf. Dieses Buch wurde nach dem Erscheinen und wohl auch schon das Manuskript
in den Betrieben und Parteigremien intensiv diskutiert.
Schuldig befunden: Eine Frau begeht einen Meineid für
ihren Liebhaber, der sie aber schon verlassen hat. Sie wird dafür zu einer
Gefängnisstrafe verurteilt. Vor Haftantritt begeht sie Selbstmord. Ihre
Arbeitskolleginnen im Kollektiv, die ihr nicht geholfen haben, fühlen sich
schuldig. Sie versuchen, den Fall aufzuarbeiten. Das Leben der toten Frau wird
als schwer und freudlos beschrieben: Sie ist von Anfang an mit den falschen
Leuten zusammen (Vater Nazi, Freund Schieber), dies treibt sie in den Tod. Die
Arbeitskolleginnen gründen als Konsequenz eine sozialistische Arbeitsbrigade,
denn von nun an soll allen geholfen werden. Positiv wird auch eine Richterin ,
eine Schriftstellerin und der Brigadeführer dargestellt. Die Intelligenz hilft
den Arbeitern und in der sozialistischen Gesellschaft kann eine Frau beruflich
erfolgreich sein und trotzdem eine Familie haben.
Verständnis für die Neunte: Es geht wieder um die
Frauenbrigade. Diesmal hat eine besonders fähige Frau, die für höhere Aufgaben
im Betrieb vorgesehen ist, Schwierigkeiten mit ihrem Sohn. Er ist ein
Adoptivsohn, den sie sehr verwöhnt hat. Als Mutter hat sie in der Erziehung
versagt. Der Junge will zu seinem richtigen Vater nach Frankreich. Beim
illegalen Grenzübertritt wird er verhaftet und zu 6 Monaten auf Bewährung
verurteilt. Der Staat gibt ihm eine Chance. Neben diesem privaten Problem gibt
es das betriebliche. Die Frau, die als Mutter versagt hat, soll im Werk
Kaderleiterin (ein politisch wichtiger Posten) werden. Dagegen wehren sich die
Männer, sie trauen der Frau diese Aufgabe nicht zu (Gleichberechtigungsproblem).
Aber die Frauen der Brigade halten zusammen und finden bei einigen verständigen
Männern Unterstützung. Fast alle wichtigen Personen in diesem Buch sind Frauen
(Richterin, Staatsanwältin), die Botschaft ist klar: die neue sozialistische
Gesellschaft braucht die Frauen in Führungspositionen.
Das Buch scheint aber bei den Verantwortlichen in der
DDR nicht so recht in die Linie gepaßt zu haben. Es gab wohl nach der
Startauflage keine weiteren, das Buch ist unbekannt. Vielleicht war die
Darstellung des versuchten illegalen Grenzübertrittes als dummer Jungenstreich
den Verantwortlichen zu harmlos. Es sind ja in dieser Zeit Menschen an der
Grenze getötet worden bzw. sehr viel härter bestraft worden. Möglicherweise ist
aber auch der Geschlechterkonflikt zu sehr betont oder die Tatsache, dass
berufliches Engagament der Frau eine Vernachlässigung des Kindes mitbringt.
Marianne Bruns hat danach nicht mehr so direkt
betriebliche Problem in ihren Büchern berührt. Die Distanz des Schriftstellers
ist hier etwas verloren gegangen.
„Zwischen Pflicht und Kür“,
Jugendroman 1962
Es ist der Roman über eine junge Eisläuferin, für
Kinder ab 13 Jahren. Sehr gut geschrieben, die Erfolge, die Niederlagen, aber
auch die privaten Probleme der Heranwachsenden. Es werden auch
gesellschaftliche Fragen angesprochen, die stehen aber im Hintergrund. Für
Kinder sehr gut gemacht, da am Ende jeden Kapitels bestimmte Fachwörter oder
geschilderte Umstände erläutert werden (kurz, knapp, kindgerecht). Diese Art von
Erklärungen habe ich nirgends anders gefunden.
„Die Lichtung“, Kurzerzählungen aus
neun Jahrhunderten 1965
Es werden in vielen kurzen Erzählungen Schicksale und
Erlebnisse von Menschen im Raum Pirna aus der Zeit von 1150 bis 1960
dargestellt. Es sind einfache Menschen, es wird aber versucht, die jeweiligen
Zeitumstände zu erfassen. Natürlich gibt es auch wieder eine klare Botschaft:
Bis 1945 war der einfache Mensch nicht frei in seinen Entscheidungen, andere
haben über ihn bestimmt, Andersdenkende wurden verfolgt, sogar getötet. Danach
hat das Volk die Herrschaft übernommen, nun bestimmen sie. Insgesamt spannend,
einige Geschichten sehr gut, andere fallen etwas ab.
„Fahrt zum Bahnhof“, Erzählung 1967
Ein recht dünnes Buch, etwas schwer in ihr anderes Werk
einzuordnen. Ein junger Mann fährt sehr rücksichtslos seine Tante zum Bahnhof,
damit sie ihren Zug in den Westen noch bekommt. Dabei hat er nicht mal einen
Führerschein. Dabei werden Fußgänger erschreckt, ein Mann stürzt und verletzt
sich langwierig. Seine Arbeitskraft ist stark eingeschränkt. Dies merkt der
junge Mann aber nicht, er wird nicht durch die Polizei gestoppt. Wochen später
im Urlaub an der Ostsee trifft er diese Familie, die er nicht kennt, wieder,
freundet sich mit dem Sohn an, tut auch etwas für ihn. Die Mutter des Jungen
erzählt ihm vom Unfall des Mannes und nun erkennt er sich als Schuldigen. Er
offenbart sich dem Mann, obwohl er mit einer Anklage rechnen muss. Am Schluss
wird aber alles gut, keine Anzeige und dem kranken Mann geht es auch besser.
Aussage: Man muss zu seinen Taten stehen. Ansonsten aber ein schwaches Buch.
„Der neunte Sohn des Veit Stoß“, Roman 1967
„Die Spur des namenlosen Malers“, Roman 1975
Zwei
historische Romane, die auch in einigen Ausgaben zusammen veröffentlicht wurden.
Für mich sind dies ihre besten historischen Romane und im Vergleich zu anderen
Autoren ebenfalls Spitzenwerke. Sie sind meisterhaft erzählt (aus der Sicht von
erfundenen historischen Figuren – ein Bader, ein Hofmeister). Die Zeit wird
fesselnd, bildhaft beschrieben, die bunte, bewegte Welt des 16. Jahrhunderts.
Sie verarbeitet historische Tatsachen (der Streit Veit Stoß in Nürnberg) mit
dichterischen Begebenheiten. Sehr lesenswert, übertreffen viele jüngst
erschienen historische Romane bei weitem.
„Großaufnahme –leicht retuschiert“, Roman 1973
Eine
Mutter schildert in Briefen an einen englischen Freund das Leben ihrer Tochter
über einen sehr langen Zeitraum (1930 bis ca. 1970). Dabei erzählt sie natürlich
auch sehr viel über sich. Die Mutter ist Übersetzerin, wohlhabend, der Vater
spielt im Buch keine Rolle. Politik spielt nur eine Randrolle, im Mittelpunkt
stehen die menschlichen Probleme, die sehr einfühlsam, spannend erzählt werden.
Probleme mit den Kindern und mit den Enkelkindern, auch mit dem Schwiegersohn.
Die Erzählerin wirkt sehr eigenständig, selbstbewußt, erfolgreich, unabhängig.
Sie ist bereit zu helfen, aber gibt oft nur Hinweise zu Lösungen, ohne
überheblich zu wirken. Entwickeln müssen sich die Kinder und Enkel selber. Ihr
Schwiegersohn ist beruflich erfolgreich, die Tochter führt den Haushalt. Aber
dann kommt heraus, dass er seine Frau über Jahre betrogen hat. Aber auch dies
wird einfühlsam erzählt, die Gründe aufgezeigt. Die Tochter wollte die perfekte
Ehefrau und Mutter sein (im Gegensatz zu ihrer Mutter), aber das hat keinen
Erfolg. Die scheinbare Katastrophe führt aber nicht zur Trennung, die Tochter
will nun selber einen Beruf lernen, eigenständig werden, trotzdem aber die
Familie erhalten.
„Zeichen ohne Wunder“, Roman 1977
Der Roman
beschreibt einen Buchverlag, in dem die Lektoren ein sozialistisches Team bilden
wollen. Im Mittelpunkt steht die Liebesgeschichte zwischen einer jungen Lektorin
und dem älteren Cheflektor, ein schwieriger Charakter, der sich wenig für andere
interessiert. Infolge der Krankheit des Cheflektors kommen sich die beiden näher
und heiraten. Der Cheflektor scheint die Krankheit überwunden zu haben, arbeitet
wieder, aber dann wird Blutkrebs diagnostiziert und er nimmt sich das Leben.
Neben
dieser Thematik geht es auch um den Umgang mit Adoptivkindern, Intrigen im
Verlag und anderes.
Aus meiner
Sicht ein schwacher Roman, da keine klare Linie und Entwicklung zu sehen ist.
Viele Ereignisse geschehen plötzlich, sind nicht aus der Handlung entwickelt,
der Leser kann es kaum nachvollziehen: Die plötzliche Liebe und Heirat, die
Anschuldigungen nach dem Freitod. Auch das Thema Liebe einer jungen Frau zu
einem älteren Mann, das Marianne Bruns öfters aufgreift, bleibt schwach. Der
Leser kann mit der Verarbeitung des Stoffes nichts anfangen.
„Der grüne Zweig“, Roman 1979
Hier wird
erstmals ein biblisches Thema aufgegriffen: Noah, der Bau der Arche, die
Sintflut, die Rettung (der grüne Zweig – die Wasser sind abgeflossen).
Erstaunlich: Marianne Bruns ist über 80 Jahre alt und wendet sich neuen Stoffen
zu.
Der
Geschichte ist sehr gut erzählt. Noah bekommt von einem Engel den Auftrag zum
Bau der Arche und zur Mitnahme der Tiere. Die Zweifel Noahs, das Unverständnis
der Anderen, die Machtkämpfe etc.
Eingerahmt
wird das biblische Thema in ein Gespräch von vier Menschen der Gegenwart, die
sich in einer Kur treffen. Dabei geht es um die globale ökologische Krise , die
droht, wenn die Menschheit so wie bisher weiter lebt und wirtschaftet. Dabei
wird auch Kritik an der DDR geübt („.. die DDR schickt uns ihre versalzene Werra
ins Land....auch die BRD ist eifrig und erfolgreich dabei, aus dem Fluss eine
Kloake zu machen“). Hier wird deutlich, alle sitzen im selben Boot, keiner ist
besser, ob Sozialismus oder Kapitalismus, es muss sich radikal ändern, um
überleben zu können. Gute Verarbeitung des schwierigen Themas, ohne mit dem
Zeigefinger auf andere zu weisen. Noah hat jedenfalls eine radikale Lösung
gewählt, alles verkauft, um die Arche zu bauen, ohne wissenschaftliche Beweise
für die Sintflut zu haben.
„Szenenwechsel“, Roman 1982
Bei einem
Autobusunfall wird ein Student getötet, mehrere schwer verletzt. Nun wird die
Sicht und Situation (Autobusfahrer, Eltern, Studenten, Freunde) geschildert. Die
einmal gesteckten Ziele müssen geändert werden (z.B. Blindheit zwingt zum
Berufswechsel). Sehr gut und eindringlich erzählt, ungewöhnliche Blickwinkel.
Kaum politische Aussagen, der Mensch und seine Probleme im Umgang miteinander
werden erzählt.
„O Ninive!“, Roman 1984
Sie greift
hier wieder ein biblisches Thema auf. Erzählt wird die Geschichte des Propheten
Jona. Er soll auf Gottes Befehl gegen die Bosheit der Stadt Ninive predigen. Er
geht dorthin und erkennt, dass die Menschen in der Stadt böse, korrupt sind, die
Reichen pressen die Armen aus, Richter sind ungerecht etc. Jona predigt gegen
diesen Ungeist und droht mit dem Untergang der Stadt durch Gottes Strafe, wenn
die Menschen sich nicht ändern (Ninive ist keine christliche, sondern die
assyrische Hauptstadt). Die Menschen ändern sich nicht, aber Gott zerstört die
Stadt auch nicht. Nun hadert Jona mit Gott und zweifelt. Aber Gott belehrt ihn,
nicht den Untergang zu prophezeien, sondern Gottes Gesetze soll er lehren.
Die
Menschheit wird nicht durch eine „göttliche“ Sintflut untergehen, sondern wenn
sie die Gesetze nicht hält, die Gott (die Natur) ihr gegeben hat. Bezüge zur
Gegenwart sind da. Intensiv werden Jonas Gedanken und Zweifel geschildert. Ein
gutes, nachdenkliches Buch, mit Illustrationen.
„Luftschaukel“, Miniaturen und Gedichte 1985
Nach 60
Jahren ist hier wieder ein schmaler Gedichtband veröffentlicht worden. In der
Zwischenzeit hat Marianne Bruns nur selten einzelne Gedichte in Zeitschriften
veröffentlicht. Für sich selber hat sie aber immer Gedichte geschrieben.
Etliche
Gedichte gehen um das Thema Sterben, Tod, Einsamkeit, Vergehen, aber auch um
Erinnerung, Kindheit, Jugend, Weisheit. Sie war 1985 bereits 88 Jahre alt. Es
gibt aber auch politische Gedichte, z.B. über den Krieg, die Atombombe (keine
Zeitung würde den Atomkrieg melden, weil die Druckereien nicht mehr vorhanden
wären).
Es sind
meist nachdenkliche Gedichte und Miniaturen.
„Der Fall Lot“; Roman 1987
Zum
drittenmal greift sie hier ein biblisches Thema auf. Das Thema ist „Sodom und
Gomorra“. Lot soll für Frieden sorgen, scheitert aber. Die Idee zum Frieden
bleibt aber, somit ist Lot nicht ganz gescheitert. Sehr gut und intensiv
geschildert. Die Lebenserfahrung von Marianne Bruns wird deutlich (sie war 90
Jahre alt), aber auch ihr Wunsch, ihre Botschaft von einer friedlichen und
gerechteren Welt immer wieder in anderer Form zu vermitteln.
„Wiedersehen“; Roman 1987
Ihr
letzter Roman. Es geht um Liebe, ein erfülltes Leben, Wiedersehen, Beruf, Alt ud
Jung. Sehr gut erzählt, eindringlich, überzeugend, klug und zurückhaltend in der
Sprache. Zwei alte Leute sehen sich nach Jahren wieder, aber trotz Sympathie
geht dann jeder wieder seinen Lebensweg. Auch hier die Botschaft: Die Frau soll
zu ihrem Beruf stehen, ihren Weg eigenständig gehen. Keine politischen Aussagen
mehr, sie wird wohl die Realität im Sozialismus erkannt haben, möglicherweise
auch schon das Scheitern der DDR.
„Ungewöhnliche Liebeserklärung“, Gedichte aus sieben
Jahrzehnten 1990
Mit diesem
Buch schließt sich der Kreis , es die letzte Veröffentlichung von Marianne Bruns
(sie war zu diesem Zeitpunkt 93 Jahre alt). Es sind vorhandene Gedichte, die
aber möglicherweise noch nicht alle veröffentlicht waren. Ihr erstes eigenes
Werk war ein Gedichtband, nun also auch ihr letztes.
Das
Themenfeld ist sehr breit: Liebe, Sturm, Politik, Hitlerzeit, Naturzerstörung,
Alter etc.
Ein
Nachdenkliches zum Alter:
Die
größere Menge an Fehlschlägen, Irrtümer,
Geschwätz,
von Lieblosigkeit, Fahrlässigkeit,
Überheblichkeit, von Herzensträgheit, Verlogenheit
und
Unverstand und mehr derart haben wir
zusammengebracht als die Jungen. Wir hatten mehr
Zeit dazu.
Weltkenntnis gewonnen? Schlußfolgerungen gezogen?
Na ja. Bis
zu gewissem Grade. Vielleicht.
Wem aber
zu Nutze? Wie anwenden? Jetzt im Alter?
Ihr Jungen
verfehlt Leben und Liebe auf eine Weise.
Und wir
sind beschäftigt, die Erde aus unserem Brote
herauszuklauben.
Insgesamt
lesenswert, Gedichte mit Sinn, manchmal auch mit Altersweisheit. Ein guter
Abschluss ihres literarischen Schaffens.

eingestellt am 30. Juni 2008
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