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Triumph der Manipulation
Warenkauf als emotionaler
Ausnahmezustand
von Rainer Roth
Kapitalismus funktioniert nicht ohne
Werbung. In unserer mit Waren übersättigten Welt besteht ihre Kunst
hauptsächlich darin, mittels ausgefeilter Strategien die Kunden vom Kauf von
Produkten zu überzeugen, die sie eigentlich nicht brauchen. Dabei richtet sie
ihre Botschaften heutzutage vornehmlich an das emotionale Empfinden. Ihren
totalen Triumph feiert solcherart Werbemanipulation dann, wenn es ihr gelingt,
den Verbraucher in einen emotionalen Taumel zu versetzen, der den rationalen
Verstand völlig ausschaltet und nur noch reinen Instinkt, ungebremsten
Besitzwunsch, regieren lässt. Dann ist es gelungen, Menschen zumindest in Bezug
auf dieses Produkt zu willenlosen Objekten, zu vernunftlosen Idioten zu machen,
die dem Moment entgegen fiebern, das Objekt ihrer Begierde endlich in Händen
halten zu dürfen. Und wenn sie es dann haben, gleicht ihr seliges Lächeln dem
von Kleinkindern nach dem Füttern. Bei dem Spiel kommt es darauf an, dass alle
mitmachen. Das produzierende bzw. verkaufende Unternehmen muss einen weltweit
geltenden Starttermin festlegen und streng auf dessen Einhaltung achten, die
Massenmedien müssen das Interesse im Vorfeld durch regelmäßige Meldungen und
Geschichten anfachen, Werbung muss das ganze verstärken und nicht zuletzt müssen
auch die Konsumenten ihre Rolle als verzückte Masse annehmen. Dann kann es
gelingen einen Hype zu erzeugen, der Menschen dazu bringt, sich bereits Stunden
vor Geschäftseröffnung geduldig in Käuferschlangen einzureihen oder sich nachts
in merkwürdiger Verkleidung in Buchläden einzufinden, obwohl es sich um Produkte
handelt, die im Überfluss vorhanden sind und die man einige Stunden später auch
ganz in Ruhe erwerben kann. Solche Coups glücken natürlich nicht oft. In
jüngster Zeit gab es zwei solcher Spektakel zu beobachten: der Verkaufsstart des
neuen iPhone von Apple und derjenige des 7. (und eventuell letzten) Bandes der
Harry-Potter-Saga.
eingestellt am 2. August 2007
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