Selbstversuch: Vier Monate ohne Kühlschrank

 

von Rainer Roth

Wir haben uns an den Komfort unzähliger technischer Geräte gewöhnt, die alle eine Eigenschaft kennzeichnet, sie verbrauchen Strom. Und der wird bekanntlich in Deutschland immer noch größtenteils mittels fossiler Energieträger erzeugt. Es soll in diesem Beitrag jedoch nicht um die Frage gehen, wie viele von diesen Hilfsmitteln wir tatsächlich brauchen, das wäre ein anderes Thema, sondern vielmehr um deren intelligenten Gebrauch. Bei vielen elektrischen Geräten ist uns ihre ständige Nutzung zu einer schlichten Gewohnheit geworden, so dass wir keinerlei Gedanken an alternative Möglichkeiten verwenden. Der Kühlschrank ist so ein Beispiel. Ein Bedürfnis für seinen Einsatz ist sicher vorhanden, denn viele Lebensmittel lassen sich nur gekühlt länger aufbewahren. Doch einige Monate im Jahr würde in unseren Breiten die Natur für ausreichende Kühlung sorgen. Man muss die trotz beginnenden Klimawandels noch ausreichend kalten Temperaturen nur für diesen Zweck nutzen. Ein paar Aufgaben wollen dabei allerdings gelöst werden.

Generell ungeeignet ist die Methode der natürlichen Kühlung für alles Tiefgefrorene, weil Dauerfrost mittlerweile auch im Winter eher selten ist. Aber die meisten Lebensmittel für den täglichen Bedarf, also Milchprodukte, Aufschnitt, Obst, angebrochene Marmelade oder Getränke, sind ja keine Tiefkühlkost, sondern werden im Kühlschrank bei Temperaturen über 0 Grad aufbewahrt.

Ein gravierendes Problem stellen Temperaturwechsel dar, wenn sie außerhalb einer gewissen Bandbreite liegen. Dabei stellen weniger die Ausschläge nach oben die Herausforderung dar, sondern die nach unten, vor allem eiskalte Winternächte, denn man möchte seine Getränke oder seinen Joghurt in der Regel ungern als Eis zu sich nehmen. Auch das meiste Obst kann Frost schlecht vertragen. Die auftretenden Temperaturschwankungen müssen also ausgeglichen bzw. in ihrer Wirkung abgemildert werden. Dazu müssen die Sachen isoliert, z.B. gut verpackt werden. Dieser Methode habe ich mich bedient und meine verschiedenen Lebensmittel neben der üblichen Verpackung noch zusätzlich in eine oder zwei Tüten gesteckt, empfindliches Obst, beispielsweise Bananen, auch mal für die Nacht in die Küche geholt. Eine ziemlich primitive Methode, zugegeben, funktioniert aber durchaus. Wesentlich ausgefeilter erscheint es mir jedoch, seine Sachen z.B. in einen ausrangierten Kühlschrank zu packen. Dieser dürfte ein beinahe idealer Aufbewahrungsort sein, denn er ist gut isoliert und  sorgt so für eine relativ gleichbleibende Innentemperatur.

Last not least braucht man einen geeigneten Platz von ausreichender Größe, insbesondere einen alten Kühlschrank kann man schlecht vors Fenster stellen. Er sollte zudem geschützt und nicht direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein, ein Nordbalkon ist ein guter Ort.

Mein kleines Experiment habe ich Anfang März beendet und es hat trotz primitiver Technik so gut funktioniert, dass ich es in der nächsten Wintersaison fortsetzen werde. Doch warum überhaupt einen solchen Aufwand treiben, statt seinen Kühlschrank einfach bequem jahrein, jahraus durchlaufen zu lassen? Als ganz direkter Nutzen ergibt sich eine geringere Stromrechnung. Bei ständig steigenden Tarifen durchaus ein Aspekt, als leitendes Motiv wäre es allerdings eine ziemlich kleingeistige Haltung. Tatsächlich bedeutet es ja auch mehr, es ist ein Stück positives Tun, eine von verschiedenen Möglichkeiten, einen eigenen Beitrag zur Energieeinsparung und Verminderung des Schadstoffausstoßes zu leisten. Einen winzig kleinen, natürlich, so wie alle Beiträge des Einzelnen für sich genommen winzig klein sind, bedeutend aber in der Summe. Und jeder ist in seinem Tun auch Vorbild, man ist immer auch ein Stück für das Ganze verantwortlich.   

 


   eingestellt am 3. April 2008