Film und Fernsehen

 

Zum Film hat der Spaziergänger keine Beziehung mehr. Als Schüler und Student noch begeisterter Kinogänger, war er jetzt schon etwa 30 Jahre nicht mehr in einem Kino. Mit fremden Menschen so dicht beisammen in einem Raum zu sein, ist ihm nicht angenehm. Im Theater macht ihm das weniger aus  (Motto: Warum ins Kino gehen, um sich schlechte Filme anzuschauen, wenn man auch zu hause bleiben kann, um sich schlechte Filme anzuschauen).

 Später war der Spaziergänger ein zumindest durchschnittlicher Fernsehkonsument. Heute schaut er sich noch ab und zu alte Spielfilme an, meist solche, die er schon einmal gesehen hat, gelegentlich auch" Bilderbuch Deutschland". Es kommt aber auch vor, dass er den Fernsehapparat zwei Wochen lang nicht einschaltet und seine Programmzeitschrift ganz umsonst studiert. Sportübertragungen sieht er nur noch selten, einmal weil ihm das Thema Doping die Lust genommen hat, zum anderen, weil ihm dann seine eigene abhanden gekommene körperliche Leistungsfähigkeit bewusst wird. Statt mit Fernsehen verbringt er seine Zeit mit Lesen, meist sind es zwei oder drei Bücher gleichzeitig. Nur um festzustellen, dass er im Fernsehen wirklich nichts versäumt, zappt er sich gelegentlich durch seine 30 Programme. Wenn er die abrechnet, wo gerade Werbung gemacht oder gekocht wird, wo Programmvorschauen laufen oder sogenannte Talkshows, dann bleibt wirklich nicht viel Auswahl. Was hat das Fernsehen uns gebracht, was hat es genommen?

Das - für den Spaziergänger - Positive zuerst: er kann sich nochmals alte Spielfilme anschauen, ohne dass ihn ein Kinonachbar stört. Er kann, wenn auch immer seltener, als Zuschauer an Sportereignissen teilnehmen, die ansonsten für ihn unerreichbar wären (und sieht viel besser als live vor Ort ), er kann schöne Landschafts- und tolle Tieraufnahmen - in Freiheit, nicht im Zoo - genießen.

Was sind die Nachteile insgesamt? Insbesondere für die Jugend, dass sie durch die vor dem Bildschirm und dem Computer verbrachte Zeit davon abgehalten wird, sich selbst aktiv zu betätigen, so dass Sport und Musik, wesentliche Elemente der Erziehung zu kurz kommen, dass die Konzentration leidet, dass zu wenig gelesen wird. Bewegungsmangel, Übergewicht und Vernachlässigung kreativer Fähigkeiten sind mittelbare Folgen ungezügelten Fernsehkonsums. Er ist wie überall: Es schadet, wenn das richtige Maß fehlt.

Das Fernsehen hat sich in unsere guten Stuben, in unsere Familien und schließlich in unsere Köpfe regelrecht eingeschlichen. Es war kein Überfall, mehr eine langsame und kaum als solche erkennbare feindliche Übernahme.

1967 kam das Farbfernsehen, welches das Verhalten und die Zahl der Empfänger nicht wesentlich beeinflußt hat. Wer vorher schwarz - weiß sah, tat dies nun farbig. Noch bis 1969 war von Mitternacht bis 16 Uhr nur das Testbild zu sehen, eine segensreiche Einrichtung, die von den Konsumenten aber meist nicht als notwendige Schonzeit, sondern nur als lästige Unterbrechung des Angebots empfunden wurde. 1984 kam es dann aber knüppeldick: Die sogenannten Privatsender. An die Reihenfolge ihres Auftretens kann sich der Spaziergänger nicht mehr erinnern, er hat auch den Überblick verloren, wie viele es inzwischen sind. Das Fernsehen war damit zum "Erziehungs- und Bildungsfeind Nr.1" geworden (so Tissy Bruns „Republik der Wichtigtuer"), da nun auch die öffentlich-rechtlichen - Phönix, 3-Sat und arte ausgenommen - mit Blick auf die Quote auf das Niveau der privaten herunterstiegen.

Der Spaziergänger hat Zitate, Anekdoten und Witze zum Thema Film und Fernsehen zusammengesucht, er hofft, sie machen seinen Lesern immer noch Spaß:

 

Die Bildröhre ist das Präservativ der Realität. (Dieter Hildebrandt)

 

Das Fernsehen ist das einzige Medium, das die Welt der kleinen Leute darstellen kann. Das Theater ist dafür zu gewichtig und der Film zu gewaltig. (Frederic Chayefsky)

 

Es gibt Fernsehprogramme, bei denen man seine eingeschlafenen Füße beneidet. (Robert Lembke)

 

Die eine Hälfte der Leute sieht fern, die andere vergnügt sich. (Carlo Franchi)

 

Das Fernsehen muss seine Zuschauer bestmöglich unterhalten, nicht seine Kritiker. (von Grünefeldt)

 

Wenn ein Film Erfolg hat, ist er Geschäft. Wenn nicht, ist er Kunst. (Carlo Ponti)

 

Die Fernsehansagerinnen geben den Frauen ein schlechtes Beispiel, sie haben jeden Tag etwas anderes an. (Alberto Sordi)

 

Den Mächtigsten in der Familie erkennt man daran, dass er bestimmt, welches Fernsehprogramm eingeschaltet wird. (Peter Sellers)

 

Der Mensch hat schon so viele Katastrophen überstanden, er wird auch die Massenmedien überstehen. (Thornton Wilder)

 

Das Kino ist ein großartiges Spielzeug. (Franz Kafka )

 

Clark Gable gab dem jungen David Niven das schauspielerische Erfolgsrezept weiter, das ihm seinerseits Spencer Tracy anvertraut hatte: Man kommt pünktlich ins Atelier, kennt den Text, sagt ihn auf, nimmt sein Geld und geht um sechs Uhr heim.

 

Einer der Gründe der Filmkrise liegt darin, dass die Intelligenz der Kinobesucher schneller gewachsen ist als die der Filmproduzenten. (Sam Spiegel, 1950)

 

Ich weiß, was an den Fernsehfamilien nicht stimmt: Sie sehen nie fern. (Robert Lembke)

 

Das Fernsehen hat aus dem Kreis der Familie einen Halbkreis gemacht. Der Spruch unserer Väter" Frisch, fromm, fröhlich, frei "lautet jetzt "Filzpantoffeln, Flaschenbier, Fernsehen".(Verfasser unbekannt)

 

Meinen Film "Das Schweigen" könnte man heute auch vor Konfirmanden zeigen. (Ingmar Bergmann. Sigi Sommer hat damals die ganze Schweigerei schlicht für einen Druckfehler gehalten.)

 

O.W. Fischer als Ruheständler auf die Frage eines Journalisten, woran der deutsche Film zugrunde gegangen sei: Zu viel Fernsehen und zu wenig Fernsicht.

 

In Schaufenster einer Buchhandlung: Kaufe ein Buch! Hilf mit, das Fernsehen auszurotten!

 

Auf der Mattscheibe läuft eine Revue an. Mama wendet sich an die Kinder: Ins Bett jetzt, Marsch! Die Tanten im Fernsehen sind auch schon ausgezogen.

 

Wir haben jetzt auch ein Fernsehgerät, 40 x 60.

Bildschirmgröße?

Nein, Raten.

 

Zwei gute Sprüche, die sich der Spaziergänger, stets auf der Suche nach solchen, notiert hat:

 

Das beste am Langzeitgedächtnis sind die Lücken. (Peter Ensikat)

 

Mein Gedächtnis wird immer schlechter. Drei Dinge kann ich mir überhaupt nicht mehr merken: Namen, Zahlen und das dritte habe ich vergessen! (Der Name des Autors ist dem Spaziergänger entfallen.)

 

Und zum Schluss noch ein Uraltwitz: Wo treffen sich in Berlin die Alzheimer-Kranken?

An der Gedächtniskirche!

 

(R. K., Juni 2008)

 


   eingestellt am 26. Juli  2008