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Bescheißen bis der Staatsanwalt kommt
Steuern
hinterziehen als Volkssport
von Rainer
Roth
Der Bürger Klaus
Zumwinkel hat nichts anderes getan als Millionen anderer Bürger dieses Landes
auch: er hat den Staat beschissen! Die Kleinen tun es wie die Großen, jeder auf
seine Weise, jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten. In den wohlhabenden Kreisen
ist es das Delikt der Steuerhinterziehung, das gern und oft gepflegt wird, wenn
die vielfältigen legalen Möglichkeiten der Steuerersparnis nicht ausreichen.
Dann schafft man seine Milliönchen eben in die so genannten Steuerparadiese wie
die Cayman - Inseln, Monaco oder offensichtlich Liechtenstein. Das spart dann
gleich richtig Geld. Für den Normalverdiener lohnt dieser Weg nicht, doch findig
hat er sich andere Möglichkeiten erschlossen. Auch er versucht, möglichst wenig
seiner Einkünfte an den Staat abzuführen und deshalb bei seiner Steuererklärung
diese klein zu rechnen bzw. als Angestellter oder Beamter eine möglichst hohe
Steuerrückzahlung zu erreichen. Mit der Korrektheit vieler Angaben wird es da
nicht sonderlich genau genommen, Werbungskosten werden trickreich nach oben
manipuliert. Auch Kapitaleinkünfte, beispielsweise Gewinne aus Aktiengeschäften,
werden den Finanzämtern gerne verschwiegen. So zahlt eine Kapitalertragssteuer
in Form des Zinsabschlages letztlich nur, wer sein Geld aufs Sparbuch trägt oder
in Form von Sparbriefen, etc. bei einer deutschen Bank anlegt. Häufig treten
bürgerliche Haushalte als Nachfrager von nicht gemeldeten Dienstleistungen auf.
Die Handwerkerleistung ohne Rechnung, die Autoreparatur durch einen Bekannten
oder die nicht angemeldete Putzfrau in Privathaushalten, von Schwarzarbeit
profitieren beide Seiten. Dieser Wirtschaftszweig bringt es damit mittlerweile
laut Expertenschätzung auf ein Volumen von rund 350 Milliarden Euro im Jahr.
Empfänger von Arbeitslosengeld oder Sozialleistungen schließlich bessern ihr
Salär häufig mittels Schwarzarbeit auf, sofern sie dazu in der Lage sind. Oder
sie verschweigen den zuständigen Ämtern Leistungen Dritter oder vorhandene
Vermögenswerte.
Lug und Trug
also allerorten, bei den Kleinen wie den Großen, oben wie unten, ohne
tiefergehende moralische Skrupel. Und ist es nicht letztlich, ein bisschen
zumindest, legitim, ein paar Euro vor Vater Staats unersättlichem Steuer- und
Abgabenschlund retten zu wollen? Einem Staat, der mit Steuergeldern soviel
Unsinniges finanziert. Nur der Ehrliche ist bei dem Spiel der Dumme, wie Ulrich
Wickert schon vor Jahren festgestellt hat. Oder eben der, der sich dabei
erwischen lässt, wie jetzt Klaus Zumwinkel und vermutlich noch Andere erfahren
müssen. Es drohen nicht nur eine empfindliche Strafe und Rückzahlung der
hinterzogenen Steuern plus Zinsen, es folgt auch sofort eine rigorose moralische
Verurteilung seines Verhaltens. Ein tiefer gesellschaftlicher Fall vom
gepriesenen Manager zum verstoßenen Schmuddelkind. Doch spätestens hier fängt
die Scheinheiligkeit an. Es ist Unsinn, von Managern oder anderen so genannten
Leistungsträgern unserer Gesellschaft (zählen Politiker eigentlich dazu?) ein
höheres Maß an Moral zu verlangen als von Anderen. Und als Vorbilder taugen die
meisten Manager sowie nicht oder sollen Rücksichtslosigkeit und Egoismus künftig
als vorbildliches Verhalten gelten? Wenn überhaupt, muss man den moralischen
Zustand der Gesellschaft, also in diesem Falle die Moral der Mehrzahl ihrer
Mitglieder kritisieren, nicht einzelne Protagonisten, wie prominent sie auch
immer sein mögen.
eingestellt am 18. Februar 2008
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