Sarrazins Wahrheiten

Immer wenn Finanzsenator Thilo Sarrazin mit der verbalen Keule zuschlägt, ist ihm die öffentliche Aufmerksamkeit gewiss. Die Reaktionen reichen von empörter Ablehnung  bis zu begeisterter Zustimmung. Er formuliert nie politisch korrekt, seine deftigen Sprüche provozieren und er übertreibt dabei regelmäßig. Aber in der Sache liegt er meistens richtig. Jüngstes Beispiel ist sein Kommentar zu der Forderung nach zusätzlichen Heizkostenhilfen angesichts hoher Energiepreise: „Wenn die Energiekosten so hoch wären wie die Miete, würden sich die Leute überlegen, ob sie nicht mit dicken Pullovern bei 15, 16 Grad auskommen.“ Nehmen wir die Gradzahl nicht zu wörtlich, richtig ist aber, dass man seine Heizkosten auch in Zeiten steigender Preise niedrig halten kann, wenn man im Winter nicht im T-Shirt in der Wohnung sitzt, sondern einige warme Kleidungsstücke anlegt. Oder nehmen wir seinen viel gescholtenen Speisezettel für Hartz-IV-Empfänger, mit dem er zu beweisen versucht, dass man sich auch mit einem Betrag von knapp 4 Euro am Tag gesund und vollwertig ernähren kann. Richtig daran ist doch die Tatsache, dass eine gesunde Ernährung nicht unbedingt teuer sein muss, beispielsweise wenn man statt Fastfood hauptsächlich Obst und Gemüse zu sich nimmt. Seine Sprüche sind mittlerweile Legion und das ist auch gut so, könnte man fast seinen Chef Klaus Wowereit zitieren. Und es ist tatsächlich gut, dass es in der heutigen Welt der vor allem glattgebügelten Politiker, deren hauptsächliches Bestreben dahin geht, nirgendwo anzuecken, noch kantige Typen wie Sarrazin gibt, der zwar nicht immer glücklich formuliert, aber sich vor allem nicht scheut, auch unangenehme Wahrheiten deutlich auszusprechen.  Rainer Roth

 


      eingestellt am 4. August 2008