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Wie ich einmal Windows XP
nachträglich auf einem laufenden Computer mit Windows Vista einrichtete, ohne
Vista neu installieren zu müssen
oder:
Von der Schwierigkeit, Bill
Gates zu überlisten
von Fränkie
Die Vorgeschichte:
Nicht wenige Menschen, die
sich einen Computer kaufen wollen, tun dies nicht im Fachhandel, sondern bei
einem Elektronik-Großmarkt oder einem Discounter ihrer Wahl. Dort bekommen sie
oftmals – aber nicht immer – einen relativ günstigen Rechner, der in der Werbung
und auf der Verpackung schön anzuschauen ist, der blinkt und glänzt und leuchtet
und alles verspricht, was das Herz begehrt.
Auf diesem Rechner befindet
sich das Betriebssystem Vista von Microsoft; auch dieses ist auf dem neuen
Bildschirm schön anzuschauen, blinkt und glänzt und leuchtet und verspricht
alles, wenn nicht sogar mehr. Das System wird in Eigenarbeit oder mit Hilfe von
“Experten“ aus der engeren oder weiteren Bekannt-, Freund- oder Nachbarschaft an
die eigenen Bedürfnisse angepasst. Der Internetzugang wird eingerichtet,
überflüssige Testversionen von Programmen, die spätestens nach drei Monaten zum
Kauf auffordern und Programme, die den Internetzugang zu teuren Providern
gestatten sollen, werden entfernt, kostenlose und nutzerfreundliche Antivirus-,
E-Mail-, Internet-Browser- und Office-Programme aufgespielt und eingerichtet.
Ein Administratorkonto wird eingerichtet für späteren Änderungsbedarf und alle
Anwender bekommen ein eigenes Computerkonto ohne Administrator-Rechte, auf dass
jeder bei seiner Leiste bleibe und und niemand unerwünschten Nebenwirkungen
verursache.
Das System läuft und läuft
und alle sind zufrieden. Alle? Nein, nicht alle! Da beginnt sich der Spieltrieb
zu regen, sei es bei Tochter oder Sohn oder Mama oder Papa, eine/n gibt es
immer. Spätestens nach einem halben Jahr melden sich erste Zweifel. Ist das
System wirklich Spiele-tauglich? Dabei sollte die Hardware doch auf dem neuesten
Stand gewesen sein, vor allem bei Arbeitsspeicher und Grafikkarte.
Nicht einmal die neuesten Spiele sind es, sondern etwas günstigere Versionen aus
dem letzten oder vorletzten Jahr, die trotzdem manchmal ruckeln und langsamer
werden und nicht immer das beste Bild liefern.
Der Mensch wendet sich
nunmehr doch an den Fachhandel, doch der meint, dass da eine ganz neue
Ausstattung hermüsse. Der Mensch hätte sich eben gleich an die richtigen
Fachleute wenden sollen, das wäre vielleicht etwas teurer geworden, aber jetzt
würde es richtig teuer. Einen Rat gibt zum Abschied aber doch noch: Der Mensch
solle mal probieren, ob nicht Windows XP, das Vorläufer-System von Vista, das
deutlich weniger Systemressourcen verbrauche als Vista, eine Lösung biete. Ob er
das selber könne, fragt der Mensch. Das müsse er selber wissen. Ob der
Fachhändler das machen würde, fragt der Mensch. Klar würde man, aber nicht zum
Festpreis und außerdem müsse Vista dann von der Festplatte runter; das könne
hinterher wieder zusätzlich aufgespielt werden.
Auf Granit stößt der Mensch
dann zu Hause bei diesem Vorschlag. Das System liefe einwandfrei, man habe sich an
alles so schön gewöhnt und es käme überhaupt nicht Frage, das alles wegen des
Spieltriebes eines Einzelnen in Frage zu stellen.
Da fragt sich der Mensch, ob
er das nicht selber kann. Da gibt es doch Google, und mit den Suchbegriffen
„vista xp gleichzeitig installieren“ stößt er auf eine Vielzahl von
Interneteinträgen, die ihm alles oder auch nichts sagen. Super leicht ginge es,
Vista bliebe in Gänze unberührt, man müsse nur nach der Installation von XP auf
einer zweiten Festplattenpartition den Bootloader mit der Reparatur-Funktion der
Vista-Installations-DVD wiederherstellen, weil XP den MBR von Vista bei der
Installation überschriebe. Das ginge wahrscheinlich gar nicht, schließlich könne
XP anders als Vista die neuen SATA-Festplatten nicht erkennen, da müsste man
sich SATA-Treiber besorgen und mittels Diskette über das – in diesem Fall gar
nicht vorhandene – Diskettenlaufwerk durch Drücken der F6-Taste bei der
Installation von XP einbinden. Wenn es denn überhaupt ginge, dann nicht bei den
von dem Elektronik-Großmarkt oder Discounter mitgelieferten OEM-Versionen von
Vista; erst müsse XP auf den Rechner und danach eine neue Original-Installation
von Vista. Der Mensch versteht Bahnhof!
Der Mensch fragt den
“Experten“ aus der engeren oder weiteren Bekannt-, Freund- oder Nachbarschaft,
und der ist – wie von „Experten“ wohl auch nicht anders zu erwarten –
entsprechend großmäulig. Das sei doch überhaupt kein Problem, er solle ihm mal
den Rechner für ein Wochenende überlassen. Das größte Problem, das Loseisen des
Rechners aus dem Familiengebrauch für drei Tage, müsse der Mensch aber alleine
lösen.
Und es geht doch:
Aber es geht keineswegs so
einfach, wie der Mensch und sein „Experte“ dachten:
1. Schritt: Gibt es
überhaupt XP-Treiber für alle Geräte? Denn was nützt das schönste XP, wenn
hinterher nichts richtig läuft! In diesem Falle genügte ein Blick auf die
Treiberseite des Computer-Herstellers Medion. Nach Eingabe der Seriennummer des Rechners
lieferte die Seite nicht nur aktualisierte Vista-Treiber für Motherboard,
Sound-, Grafik- und Fernsehkarte, sondern diese auch für Windows XP.
Das nennen wir Benutzer-freundlich. Herunterladen, sichern, weiter geht’s.
2. Schritt: Erkennt die Installations-CD von XP die Festplatte des Rechners? Nein, natürlich nicht,
schließlich handelt es sich um die angedrohte SATA-Platte; alles was XP erkennt,
sind die Laufwerke des Kartenlesegeräts. Das hilft nicht weiter. Auf der Seite
des Motherboard-Herstellers gibt es keine SATA-Treiber (die Seite ist in Überarbeitung).
Der Blick auf die Seite des Festplattenherstellers ist wie erwartet überflüssig;
schließlich geht es nicht um Treiber für die Festplatte, sondern um Treiber für
den Festplattencontroller, und der ist Teil des Motherboards. Und jetzt? Ab ins BIOS des Computers, also beim Hochfahren die „Entf“-Taste
(oft ist es auch die F2-Taste)
drücken. Und siehe da, an irgendeiner Stelle steht irgendetwas mit SATA: das
Auswahlmenü bietet verschiedene Modi an. Im Moment ist der Modus „Auto“ aktiv,
probieren wir mal den „Enhanced“-Modus. Denn die englische Kurzerklärung sagt
dazu, dass mit diesem Modus both SATA and PATA supported wird. Was PATA ist
wissen wir nicht, aber wie so oft weiß es Wikipedia: PATA ist ein Synonym für
IDE, also die Schnittstelle, die auch XP versteht. Neustart.
Spannung. Und siehe da: die Installations-CD von XP erkennt die Festplatte und
möchte am liebsten sofort mit der Installation beginnen („Drücken Sie F8“). Das
brechen wir aber sofort ab.
3. Schritt: Vista wird
hochgefahren, um eine Partition anzulegen, auf der XP installiert werden kann.
Das geht entweder mit Vista-Bordmitteln
(Einstellungen / Verwaltung / Computerverwaltung / Datenträgerverwaltung) oder etwas
schneller mit dem Partition-Manager (siehe 4. Schritt). Zehn Gigabyte sollten
es mindestens sein. Die Festplatte ist riesig, der Mensch und seine Familie haben samt Programmen
nicht mal ein Zehntel in Gebrauch. Da sparen wir nicht und nehmen gleich 50
Gigabyte.
4. Schritt: Die Startpartitionierung mit Vista ist logischerweise aktiv, sonst könnte Vista nicht starten. Wenn wir aber XP auf die neugeschaffene Partition bringen wollen,
darf Vista nicht hochfahren. Damit diese Partition nicht starten kann, muss sie
versteckt werden. Mit dem Partition-Manager von Paragon ist das eine Sache von
Sekunden.
http://www.paragon-software.com/de/about.htm
5. Schritt: Die Installation
von XP läuft problemlos ab, denn die versteckte Partition wird ignoriert, so
dass keine Besonderheiten gegenüber der Installation als einzigem Betriebssystem
bestehen. Die bestehende WLAN-Verbindung wird sofort erkannt, so dass das System
bei Microsoft aktiviert werden kann und es sich gleich die notwendigen Updates
zieht.
6. Schritt: Nach der
Installation startet aber nur noch ein einziges Betriebssystem: XP. Das ist
nicht wirklich überraschend, schließlich ist die Vista-Partition noch versteckt.
Das ändern wir kurz und bündig mit dem Partition-Manager
7. Schritt: Vista kann aber immer noch
nicht starten; denn Bill Gates mag keine anderen Betriebssysteme neben sich,
außer es sind seinen eigenen. XP als älteres System kann aber Vista als
unbekanntes (neueres) System nicht als freundliches, zu Bill Gates gehörendes
System identifizieren und tut daher so, als gebe es das gar nicht. Aber wir haben Vorsorge getroffen. Über Google
haben wir den Hinweis gefunden, bei gestartetem XP die Vista-Installations-DVD
ins DVD-Laufwerk zu legen und in der Eingabeaufforderung (entweder unter
Programme/Ausführen oder in einer DOS-Box) Folgendes einzutippen:
„[DVD-Laufwerksbuchstabe]:\boot\bootsect.exe
-NT60 All“
und dies mit der Enter-Taste zu bestätigen. Neustart, und
siehe da, es startet Vista.
http://www.go-vista.de/forum/index.php?topic=2185.0;XP-nach-Vista-installieren
8. und letzter Schritt:
Jetzt startet zwar Vista, aber eben nur noch Vista und nicht mehr XP. Alle
Versuche, die Auswahlmöglichkeiten zwischen beiden nunmehr funktionierenden
Betriebssystemen (aber eben nur jedes für sich) mittels Reparatur des
Vista-Bootloaders mit der Reparaturfunktion der Vista-Installations-DVD
herzustellen, scheitern. Alle weiteren Tipps, die Google findet, helfen nicht
weiter. Jetzt hilft nur noch eins: das kostenlose Programm EasyBCD von Neosmart.
Hiermit kann auf einfache Weise der Startmenüeintrag für Windows XP erstellt und
die Dauer der beim Booten erscheinenden Auswahlmöglichkeit für die beiden
Betriebssysteme eingestellt werden werden.
http://neosmart.net/dl.php?id=1
Das
war´s.
eingestellt am 21. Dezember 2007
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